Wenn ihr das erste Mal vor der Burg Kreuzenstein im Weinviertel steht, rechnet ihr fix damit, dass gleich ein Ritter über die massive Zugbrücke brettert. Die dicken Mauern, der Burggraben – alles sieht unfassbar alt aus. Aber ganz ehrlich: Die Anlage ist eigentlich ein gigantisches Architektur-Puzzle, was vor garnicht allzu langer Zeit wieder aufgebaut wurde.
Der Polarforscher Graf Johann Nepomuk Wilczek hatte im 19. Jahrhundert wohl ziemlich viel Zeit und Geld. Ab 1874 kaufte er historische Original-Bauteile von alten Burgen aus ganz Europa zusammen und ließ sie vor Wien auf den Ruinen der im dreißigjährigen Krieg zerstörten alten Burg, einfach neu aufbauen, um seine gigantische Kunstsammlung unterzubringen. Kreuzenstein ist also ein „Best-of Mittelalter“ und deutlich jünger, als es auf den ersten Blick wirkt.
Hollywood-Vibes statt echter Ruine

Genau diese klischeehafte, makellose Optik ist der Grund, warum internationale Film-Crews das Schloss so abfeiern. Kreuzenstein sieht auf Kamera schlichtweg besser und kompletter aus als echte, bröselige Ruinen, bei denen die Hälfte der Mauern fehlt.
Schon 1993 fochten hier Charlie Sheen und Kiefer Sutherland im Disney-Hit Die drei Musketiere. 2019 schnetzelte sich Henry Cavill als Geralt von Riva für die erste Staffel der Netflix-Serie The Witcher durch die Burggänge.
Erst 2023 war die riesige Crew für die Disney+-Serie Shardlake da und hat die Anlage wochenlang in Beschlag genommen. Die lange Zugbrücke am Eingang ist dabei nicht nur ein Top-Drehort, sondern auch der absolute Jackpot für euren Insta-Feed.
So kommt ihr in die Rüstkammer und Burgküche

Wichtig für eure Planung: Ihr könnt nicht einfach auf eigene Faust durch die Gänge spazieren. Rein kommt ihr nur mit einer geführten Tour, die knapp eine Stunde dauert. Das Ticket lohnt sich aber gewaltig, denn ihr bekommt die europaweit bekannte Privatsammlung des Grafen zu sehen.
Ihr spaziert durch eine der größten Waffensammlungen Europas, wo Schwerter, Hellebarden und komplette Ritterrüstungen an den Wänden hängen. Danach geht es in die historische Burgküche.
Allein der massive Eichentisch in der Mitte ist ein echtes Highlight – er wurde aus einer einzigen, riesigen Brückenplanke geschnitzt. Über das Jagdzimmer landet ihr schließlich im pompösen Rittersaal. Hier merkt ihr richtig, wie detailverliebt Wilczek seine Mittelalter-Fantasie ausgelebt hat.
Hard Facts zum Saisonstart

Die Winterpause ist endlich vorbei. Pünktlich am 1. April geht’s wieder los, und die Burgsaison läuft durchgehend bis zum 31. Oktober. Von Montag bis Samstag hat das Gelände für euch von 10:00 bis 16:00 Uhr offen. Sonn- und feiertags könnt ihr ein bisserl länger bleiben, da ist von 10:00 bis 17:00 Uhr geöffnet.
Für die Führung zahlen Erwachsene 15,00 Euro. Kinder zwischen 3 und 16 Jahren sind mit 8,00 Euro dabei. Wenn ihr gleich als große Partie ab 20 Personen anrückt, zahlt ihr den vergünstigten Gruppenpreis von 12,00 Euro pro Kopf.
Wenn nach der ganzen Historie der Magen knurrt, haben wir noch eine Empfehlung für euch. Geht am besten direkt rüber in die Burgtaverne. Dort gibt es deftiges Essen in echten Tonkrügen, massive Holztische und die perfekte Kulisse, um nach der Tour ein bisserl auszurasten.
Unser Tipp, wenn ihr schon mal oben seid

Direkt neben dem Schlossgraben liegt die Adlerwarte Kreuzenstein. Hängt das nach der Burgführung unbedingt noch an euren Ausflug dran. Bei der Greifvogel-Flugshow brettern euch freifliegende Falken, Geier und riesige Adler direkt über die Köpfe hinweg.
Das Ganze passiert vor der malerischen Kulisse der Burg und mit einem richtig guten Ausblick über das Donautal. Es ist ein ziemlich lauter, cooler und wilder Abschluss für euren Tag im Weinviertel.