Am Sonntag, 1. November, um 17 Uhr steht in der Generali Arena das 351. Wiener Derby der Pflichtspielgeschichte an. Gastgeber ist diesmal die Austria. Das Duell zwischen SK Rapid und FK Austria Wien gilt als zweithäufigstes gespieltes Fußballderby Europas, übertroffen nur vom Old Firm zwischen Celtic Glasgow und den Glasgow Rangers. Die Stadt teilt sich dabei wie kaum sonst in Grün und Violett.
Die Derby-Bilanz: Rapid vorn, Austria im Aufwind

Nach 349 Duellen in Meisterschaft, Cup und Supercup hatte Rapid 140 Siege, die Austria 125, 84 Spiele endeten unentschieden. Mit dem 2:0 der Austria im 350. Derby im Mai steht es 140:126 für Rapid. Rapid bleibt also in Führung, doch die Austria schließt auf. In der vergangenen Saison blieb sie mit drei Siegen und einem Remis ungeschlagen. Rapid ging ohne Derbysieg aus der Saison.
Zu den besonderen Spielen zählen die Rekordergebnisse. Das erste Duell am 8. September 1911 gewann Rapid 4:1. Der höchste Rapid-Sieg war ein 10:1 im August 1942 im Praterstadion, der höchste Austria-Sieg ein 6:0 im Oktober 1969.
Die Vorzeichen sind diesmal ungewöhnlich. Rapid führt die Tabelle nach neun Runden mit 24 Punkten an, die Austria steckt mit sieben Punkten im Keller. Rapid-Trainer Johannes Hoff Thorup fehlt als einziger Bundesliga-Gegner noch die Austria. Gerade deshalb gilt ein Derby als unberechenbar.
Zwei Vereine, zwei Geschichten

Rapid wurde 1899 als Erster Wiener Arbeiter-Fussball-Club gegründet und stand für die Arbeiterschaft der Vorstädte. Der Klub ist mit 32 Meistertiteln österreichischer Rekordmeister. 1996 stürmten die Hütteldorfer ins Finale des Europacups der Cupsieger, das sie in Brüssel gegen Paris Saint-Germain verloren.
Die Austria entstand 1911 als Wiener Amateur-Sportverein und trägt ihren heutigen Namen seit 1926. Sie galt als der bürgerlichere, kultiviertere Klub. In den 1930er-Jahren prägten Legenden wie Matthias Sindelar das Bild des eleganten „Wiener Spiels“. In der NS-Zeit wurde die Austria als „Judenklub“ gebrandmarkt und hatte schwer zu kämpfen. Ihren bislang letzten Meistertitel holte sie 2012/13.
Die alten Klassengrenzen sind längst verschwunden. Beide Klubs haben Fans in ganz Österreich, und die Anhänger lassen sich nicht mehr klar sozialen Schichten zuordnen. Geblieben ist die Rivalität, die Wien an einem Novembersonntag wieder in zwei Lager teilt.