Heilquellen sind keine Erfindung der Neuzeit. Schon vor über 2.000 Jahren wussten die Römer, dass das Wasser, das hier in der Region rund um das Wiener Becken aus der Erde sprudelt, mehr kann als nur nass machen. Entstanden sind diese Quellen meist durch tektonische Verschiebungen in der Erdkruste, die mineralreiches Wasser aus tiefen Schichten an die Oberfläche drücken.
Ob Schwefel, Jod oder reines Mineralwasser – diese Inhaltsstoffe sind natürliche Medizin. Schwefel soll bei Gelenkschmerzen und Hautproblemen helfen, Jod kurbele den Stoffwechsel an, und die reine Wärme entspannt das Nervensystem. In Wien und Umgebung nutzen wir diese Schätze seit dem 19. Jahrhundert in prachtvollen Badeanstalten, die zum Glück bis heute erhalten geblieben sind. Wir haben die schönsten hier für euch zusammengefasst.
Thermalbad Vöslau: Schwimmen in echtem Mineralwasser

Stellt euch vor, ihr schwimmt in einer riesigen Flasche Vöslauer, nur eben in groß und unter freiem Himmel. Das Bad gilt als absolute Ikone der Sommerfrische Architektur und das Herzstück ist zweifellos das Blaue Becken. Dieses wird direkt aus der Ursprungsquelle gespeist und wirkt mit seinen historischen Holzkabinen und dem riesigen Park wie eine Filmkulisse aus der Jahrhundertwende. Das Wasser ist besonders gut für den Kreislauf und die Hautstraffung geeignet, während das Auge an der prachtvollen Jugendstil Optik und der riesigen Parklandschaft mit ihren uralten Mammutbäumen hängen bleibt.
Römertherme Baden: Das Erbe der Legionäre unter Glas

Baden bei Wien ist die Kurstadt schlechthin und unter dem größten freihängenden Glasdach Europas badet ihr hier in Schwefelheilwasser, das aus rund tausend Metern Tiefe nach oben kommt. Das Wasser hat eine leicht gelbliche Färbung und den typischen Schwefelgeruch, was allerdings ein echtes Qualitätsmerkmal für die Wirkung auf den Bewegungsapparat und Rheuma Beschwerden ist. Die Optik der Therme bietet eine spannende Mischung aus dem Flair eines historischen Kurhauses und einer sehr modernen, lichtdurchfluteten Glasarchitektur, die den Blick in den Himmel freigibt.
Fischauer Thermalbad: Natur pur bei konstanten neunzehn Grad

Das ist der ultimative Tipp für die Puristen unter euch, denn hier gibt es kein künstlich aufgeheiztes Wasser. Die Quelle sprudelt mit konstanten neunzehn Grad in die Becken, was an heißen Tagen eine unglaubliche Erfrischung bietet. Das Wasser ist so klar, dass man jeden einzelnen Stein am Grund sieht, und die Beckenränder bestehen teilweise aus natürlichem Gestein. Dieses nostalgische Gartenbad ist seit dem Jahr 1872 fast unverändert geblieben und eignet sich hervorragend zur Abhärtung und zur Stärkung des Kreislaufs.
Rudas Heilbad: Osmanische Badestimmung in Budapest

Das Rudas Bad fungiert wie ein Zeitportal in das sechzehnte Jahrhundert, wobei der Kern aus einem türkischen Dampfbad mit einer massiven Kuppel besteht. Kleine Lichtstrahlen fallen durch die Öffnungen auf das achteckige Becken und erzeugen eine mystische Stimmung. Es ist dunkel, massiv und unglaublich entspannend für den Geist. Wer einen Kontrast sucht, findet am Dach einen modernen Whirlpool mit direktem Blick über die Donau. Dieses Bad ist ideal für den totalen Stressabbau in einem orientalischen Ambiente.
Gellért Bad: Ein Badegang im Jugendstil Museum

Das Gellért ist das wohl berühmteste Bad in ganz Budapest und wer dort in die Thermalbecken steigt, findet sich inmitten von blauen Mosaiken, Marmorsäulen und kunstvollen Statuen wieder. Es handelt sich um einen echten Jugendstil Palast, der eindrucksvoll zeigt, welchen hohen Stellenwert das Baden früher hatte. Das mineralstoffreiche Wasser aus den Quellen des Gellértberges hilft bei Gelenkproblemen und Durchblutungsstörungen. Die Optik erinnert eher an eine prunkvolle Kathedrale als an ein Badehaus und ist ein absolutes Muss für Ästheten.
Die Therme Wien: Das Erbe der Schwefelquellen von Oberlaa
Wenn wir über Heilquellen in Wien reden, kommt man an Oberlaa nicht vorbei. Die Therme Wien ist heute die modernste Stadttherme Europas, aber ihr Kern ist uralt. Die Schwefel-Thermalquelle dort sprudelt aus einer Tiefe von bis zu neunhundert Metern und gehört zu den wirkungsvollsten in ganz Europa. Schon die Römer wussten die Schwefelvorkommen im Süden Wiens zu schätzen. Das Wasser kommt mit einer natürlichen Temperatur von vierundfünfzig Grad aus der Erde und wird für die Becken perfekt temperiert. Es ist bummvoll mit Mineralien, die vor allem bei Gelenkschmerzen und Rheuma helfen oder einfach das Immunsystem nach einer harten Woche wieder auf Vordermann bringen.