Wer an einen Zoo oder Tierpark denkt, erwartet normalerweise ein weitläufiges Parkgelände mit offenen Auslaufflächen, auf denen sich Elefanten, Löwen, Giraffen und andere, oft große Säugetiere beobachten lassen. Das Haus des Meeres mitten im 6. Wiener Gemeindebezirk (Mariahilf) ist jedoch das absolute Gegenteil eines ‚normalen‘ Zoos. Untergebracht in einem ehemaligen Flakturm aus dem Zweiten Weltkrieg, verbindet es auf 5.000 m² ein einzigartiges Ökosystem mit bewegter Geschichte und der wohl ungewöhnlichsten Zoo-Architektur der Welt.

Vom Kriegsmal zur vertikalen Wildnis
Das Wiener Haus des Meeres ist architektonisch weltweit einzigartig. Untergebracht in einem ehemaligen Flakturm aus dem Jahr 1944, zeugt der massive Betonbau von der dunklen Geschichte des Zweiten Weltkriegs. Eine Entfernung des Kolosses war nach Kriegsende unmöglich: Die Mauern sind bis zu 3,5 Meter dick – eine Sprengung hätte die umliegenden Wohnhäuser des dichten Mariahilfer Bezirks dem Erdboden gleichgemacht.
So begann 1957 die schrittweise Transformation zum Zoo. In kleinen Etappen eroberte die Natur den Bunker: Zunächst wurde nur eine Ebene provisorisch als Aquarium genutzt, bevor stetige Erweiterungen den Turm in einen „Vertical Zoo“ verwandelten. Die architektonische Besonderheit liegt in der vertikalen Nutzung der elf Stockwerke. Da der Bau unter Denkmalschutz steht, wurden Highlights wie das gläserne Tropenhaus direkt an die Außenfassade angeflanscht. Heute verschmelzen auf 5.000 m² modernste Tierhaltung und historische Bausubstanz. Mit der gläsernen Aufstockung im Jahr 2020 erreichte das Gebäude seine heutige Form – ein Ort, der heute Leben schützt, statt es zu bedrohen.

Ein Ökosystem zwischen Tiefsee und Himmel
Im Haus des Meeres erwartet dich eine spektakuläre Reise durch die Lebensräume unseres Planeten – verteilt auf elf Stockwerke. Das Herzstück des „Vertical Zoo“ ist das riesige, über zwei Etagen reichende Haibecken. Mit einem Fassungsvermögen von 300.000 Litern bietet es Schwarzspitzen-Riffhaien und der berühmten Meeresschildkröte „Puppi“ eine majestätische Heimat. Ein weiteres technisches Meisterwerk ist der Atlantik-Tunnel: Hier wanderst du durch eine gläserne Röhre inmitten eines 500.000-Liter-Beckens, während Rochen und Ammenhaie direkt über deinen Kopf hinweggleiten.
Insgesamt lassen sich in dem ehemaligen Flakturm über 10.000 Tiere aus mehr als 600 verschiedenen Arten entdecken. In den oberen Etagen verlässt du das Wasser und betrittst das Tropenhaus sowie den Krokipark. Hier herrscht Dschungel-Feeling pur, während Weißkopfsaki und bunte Vögel oft nur Zentimeter an den Besuchern vorbeihuschen. Wer bizarre Winzlinge bevorzugt, bewundert die weltweit längste Blattschneiderameisen-Straße, die sich über beeindruckende zwei Stockwerke durch transparente Röhren zieht. Von giftigen Krustenechsen über urzeitliche Komodowarane bis hin zu filigranen Seepferdchen bietet das Haus eine enorme Vielfalt.

Den krönenden Abschluss dieses städtischen Ökosystem bildet die Aussichtsterrasse im elften Stock. Hier oben bietet sich ein atemberaubender 360-Grad-Blick über die Dächer Wiens, der den Besuch zu einem unvergesslichen Erlebnis zwischen Tiefsee und Himmel macht.
📍Fritz-Grünbaum-Platz 1, 1060 Wien 🕰️Montag – Sonntag 09:00 – 20:00 Uhr