Im 23. Wiener Gemeindebezirks Liesing, auf der Anhöhe des Georgenbergs in Mauer, verbirgt sich ein Ort, der Wissenschaft und Natur auf einzigartige Weise verbindet. Direkt neben der markanten, brutalistischen Wotrubakirche erstreckt sich der Sterngarten Georgenberg. Es handelt sich dabei um kein klassisches Observatorium mit Kuppel und High-Tech-Teleskopen, sondern um ein „Freiluftplanetarium“, das die uralte Tradition der Horizontastronomie pflegt und den Himmel mit bloßem Auge begreifbar macht.
Ein Denkmal für die Sterne

Die Geschichte des Sterngartens ist eng mit zwei Namen der österreichischen Astronomie verbunden. Die ursprüngliche Idee eines Freiluft-Lehrplatzes für Himmelskunde stammte von Professor Oswald Thomas, einem Pionier der astronomischen Volksbildung in Wien. Doch erst Jahrzehnte nach seinem Tod wurde die Vision durch seinen Schüler, Hermann Mucke, in die Tat umgesetzt. Unter der Trägerschaft des Österreichischen Astronomischen Vereins wurde die Anlage in den Jahren 1997 bis 2000 errichtet. Ziel war es, einen Raum zu schaffen, in dem Menschen die Mechanik des Universums – das Wandern der Sonne, der Sterne und der Planeten – ohne optische Hilfsmittel nachvollziehen können.
Monumente der Zeit, was es im Sterngarten Georgenberg zu entdecken gibt

Das Areal des Sterngartens ist als architektonische Messanlage auf 2000 m2 konzipiert. Das markanteste Element ist die zentrale, begehbare Stufenpyramide, die als Beobachtungsplattform dient. Ihre Brüstung markiert den präzisen mathematischen Horizont. Von hier aus blicken Besucher auf mehrere über das Gelände verteilte Sonnensäulen. Diese sechs Pfeiler sind exakt so positioniert, dass sie die Auf- und Untergangspunkte der Sonne zu den Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen markieren.
Zusätzlich finden sich auf dem Gelände ein Nord- und ein Südmast zur Bestimmung der Meridianpassage von Sternen sowie eine großformatige Sonnenuhr, welche die wahre Ortszeit anzeigt. Ein maßstabsgetreuer Planetenweg ergänzt die Anlage und vermittelt auf anschauliche Weise die gewaltigen Distanzen innerhalb unseres Sonnensystems.
Der perfekte Zeitpunkt für einen Besuch
Ein Besuch im Sterngarten Georgenberg lohnt sich grundsätzlich zu jeder klaren Nacht, da die Lichtverschmutzung am Stadtrand geringer ist als im Zentrum. Besonders faszinierend ist die Anlage jedoch zu den astronomischen Fixpunkten des Jahres: zur Sommer- und Wintersonnenwende (ca. 21. Juni und 21. Dezember) sowie zu den Äquinoktien im Frühling und Herbst. An diesen Tagen lassen sich die Sonnenauf- und -untergänge über den markierten Säulen exakt beobachten. Zudem bietet der Astronomische Verein regelmäßig fachkundige Führungen an, die komplexe Himmelsmechanik für Laien verständlich erklären und diesen Ort in ein lebendiges Klassenzimmer unter freiem Himmel verwandeln.