Wer den Wechsel der Jahreszeiten in der Stadt wirklich mitbekommen will, muss nicht aufs Thermometer schauen. Ein kurzer Blick in die Parks und Grünanlagen reicht völlig aus, um den Rhythmus der Natur zu erkennen. Von den ersten zarten Knospen im Feber bis zu den satten Farben im Frühherbst bietet die Stadt einen verlässlichen Takt. Damit ihr genau wisst, wann sich ein Spaziergang wo lohnt, haben wir diesen Wiener Blütenkalender für euch zusammengestellt.
Jänner: Zaubernuss und tropische Flucht

Im tiefsten Winter ist die Natur draußen natürlich im Sparmodus, aber ganz auf Farbe müsst ihr nicht verzichten. Wer tapfer der Kälte trotzt, entdeckt im Botanischen Garten oder im Schlosspark Schönbrunn oft die leuchtend gelben und orangefarbenen Blüten der Zaubernuss (Hamamelis). Dieser robuste Strauch lässt sich von Frost und Schnee absolut nicht unterkriegen. Wem das Spazierengehen im Jänner zu frisch ist, der flüchtet sich einfach ins Palmenhaus Schönbrunn. Dort herrscht auch bei Minusgraden ein angenehm tropisches Klima, und zwischen riesigen Palmen findet ihr eine farbenprächtige Dosis exotischer Blüten und leuchtender Orchideen.
Feber & März: Schneeglöckchen, Krokusse und Magnolien

Wenn die Temperaturen noch im einstelligen Bereich dümpeln, stecken die ersten Schneeglöckchen und Krokusse ihre Köpfe aus der Erde. Den besten Startschuss ins blühende Jahr liefert euch der Botanische Garten im 3. Bezirk, der sich schon ab Ende Feber in einen bunten Teppich verwandelt. Nur ein paar Wochen später, meist ab Mitte März, übernehmen die Magnolien das Kommando. Besonders beliebt (und hochgradig fotogen) sind die üppigen Magnolienbäume direkt vor der Votivkirche im Sigmund-Freud-Park.
April: Die große Kirschblüten-Zeit

Der April steht ganz im Zeichen der rosa Pracht, für die ihr definitiv nicht nach Japan fliegen müsst. Ein treffsicherer Spot ist der Setagayapark in Döbling, der als klassischer japanischer Garten genau jetzt seine stärkste Phase hat. Wer es ein bisserl weitläufiger mag, packt sich eine Jause ins Sackerl und radelt zum Kirschenhain auf der Donauinsel. Dort spaziert ihr durch eine Allee aus über 1.000 japanischen Kirschbäumen, die als Symbol der Freundschaft zwischen Österreich und Japan gepflanzt wurden.
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Mai: Flieder und strahlende Tulpen

Sobald der Mai startet, riecht die halbe Innenstadt nach Flieder. Wer gemütlich durch den Volksgarten spaziert, findet dort nicht nur Bänke zum Ausrasten, sondern auch massive Fliederbüsche in voller Blüte. Fast zeitgleich schießen die Farben bei den Zwiebelgewächsen in die Höhe. Für eine geballte Ladung Tulpen empfehlen wir euch einen Ausflug in den Schlosspark Schönbrunn oder direkt in die Blumengärten Hirschstetten im 22. Bezirk, wo riesige, akkurat bepflanzte Beete warten.
Juni & Juli: Rosen und kühle Seerosen

Wenn die ersten richtigen Hitzewellen anrollen, übernehmen die Klassiker. Der Volksgarten ist im Juni mit seinen über 400 Rosensorten bummvoll und duftet entsprechend intensiv. Achtet hier unbedingt auf die kleinen Täfelchen, denn fast jeder Rosenstock hat einen prominenten oder privaten Paten. Ab Juli wird es dann am Wasser spannend: Im Wasserpark Floridsdorf könnt ihr entlang der schattigen Wege spazieren und dabei große Teppiche aus weiß blühenden Seerosen beobachten.
August & September: Dahlien und Herbstblüher

Bevor der Herbst das Laub braun färbt, dreht die Stadt farblich noch einmal richtig auf. Ab Ende August und bis weit in den September übernehmen die Dahlien die Regie in den Beeten. Ein echtes Muss ist hierfür erneut das weitläufige Gelände der Blumengärten Hirschstetten, das in dieser Zeit eine eigene, dichte Dahlienschau bietet. Hier könnt ihr lange durch die Reihen streifen und die enorme Formen- und Farbenvielfalt dieser robusten Spätsommerblüher im Detail studieren.
Oktober: Herbstastern und bunte Friedhofs-Alleen

Wenn die Tage merklich kürzer werden, übernimmt der Herbst die Farbpalette in der Stadt. Jetzt schlägt die große Stunde der Herbstastern und Chrysanthemen, die sich tapfer gegen den ersten Bodenfrost stemmen. Ein faszinierender (und wunderbar morbider) Ort für einen Spaziergang ist im Oktober definitiv der Wiener Zentralfriedhof, der sich nicht nur durch das verfärbte Laub der riesigen Alleen, sondern auch durch den üppigen Blumenschmuck rund um Allerheiligen in ein unerwartetes Blütenmeer verwandelt.
November: Leuchtender Winterjasmin im Nebel

Der typische Wiener November verlangt uns oft einiges ab, doch selbst im tiefsten Grau gibt es hartnäckige Lichtblicke. An den Rändern vieler Grünanlagen und in ruhigen Innenhöfen fängt nun der Winterjasmin zu blühen an. Mit seinen leuchtend gelben Blüten an den ansonsten kahlen, grünen Zweigen sorgt er für einen massiven Kontrast zum trüben Wetter. Ein aufmerksamer Streifzug durch den Kurpark Oberlaa lohnt sich jetzt, um die Augen ein bisserl vom Asphalt zu lösen und genau diese zarten Farbtupfer zu entdecken.
Dezember: Christrosen und beheizte Gewächshäuser

Im Dezember schieben sich die Prioritäten meist in Richtung Glühwein, aber botanisch gehört dieser Monat ganz klar der Christrose (oder Schneerose). Diese enorm widerstandsfähigen Pflanzen drücken ihre weißen oder zartrosa Blüten oft direkt durch die Schneedecke, falls Wien denn mal tatsächlich angezuckert ist. Zu finden sind sie etwa in den geschützten Bereichen im Botanischen Garten im 3. Bezirk. Wem das draußen zu ungemütlich ist, der schaut bei der traditionellen Weihnachtsschau in den Blumengärten Hirschstetten vorbei, wo festliche Floristik in den warmen Glashäusern auf euch wartet.