Monatelang raubte ein mysteriöses Geräusch den Bewohnern des Wiener Sonnwendviertels den Schlaf. Immer wieder schallte in den frühen Morgenstunden ein langes, unheimliches Hupen durch die Nacht. Was zunächst wie das absichtliche Signal eines Zugführers klang, entwickelte sich rasch zum Dauerthema in den Anrainer-Gruppen am Hauptbahnhof. Schlaflose Nächte und verständliche Wut führten schließlich zu Bürgerprotesten und einer Petition. Lange blieb unklar, wer oder was hinter dem Lärm steckte, bis die ÖBB der Sache auf den Grund gingen.
Technische Pannen in den frühen Morgenstunden
Die Untersuchungen ergaben, dass kein menschliches Versagen vorlag, sondern eine außergewöhnliche technische Störung. Ursache für die nächtliche Ruhestörung waren Triebwägen der Baureihe „Talent“, die auf der nahegelegenen Abstellanlage geparkt waren. Ausgerechnet zwischen 3 und 5 Uhr morgens werden diese Fahrzeuge für den anstehenden Frühverkehr aus dem Ruhezustand hochgefahren.
Wenn das Druckluftsystem beim Systemstart aktiviert wird, löste ein Defekt an einzelnen Steuerungselementen das Signalhorn – das sogenannte Makrophon – eigenständig aus. Statt einer gewollten Sicherheitsmeldung ertönte das Hupen somit völlig unbeabsichtigt und in voller Lautstärke über den Gleisbereich hinweg direkt in die angrenzenden Wohngebiete.
Schnelle Abhilfe für eine ruhige Nacht am Hauptbahnhof

Nachdem die Ursache eindeutig identifiziert werden konnte, reagierten die ÖBB umgehend mit konkreten Gegenmaßnahmen, um den Anrainern am Hauptbahnhof die gewohnte Nachtruhe zurückzugeben. Die betroffenen Zuggarnituren wurden schrittweise aus dem Verkehr gezogen und in den Werkstätten einer gründlichen Reparatur unterzogen.
Bis alle Steuerungselemente vollständig ausgetauscht sind, parken die Verantwortlichen die entsprechenden Züge vorsorglich auf entfernten Gleisabschnitten abseits der Wohnbebauung. Durch dieses rasche Handeln gehört das spukhafte nächtliche Hupen im Sonnwendviertel endgültig der Vergangenheit an. Die Anwohner können aufatmen und ihre Nächte wieder ungestört genießen, während der Schienenverkehr (hoffentlich) morgens gewohnt pünktlich anrollt.