Kennt ihr das seltsame Holzstück hinter Panzerglas direkt am Stephansplatz? Am Stock-im-Eisen-Platz verbirgt sich seit Jahrhunderten eines der schrägsten Denkmäler Wiens. Wo Graben und Kärntner Straße zusammentreffen, ragt ein 2,19 Meter hoher Fichtenstamm empor, der buchstäblich mit eisernen Nägeln vollgepflastert ist. Wer hier täglich durch die City hetzt, übersieht das Relikt leicht – dabei erzählt der Stamm eine Geschichte aus dem tiefen Mittelalter. Der Stock im Eisen ist, ihr werdet es bereits geahnt haben, der Namensgeber des Platzes.
Das Rätsel um den Stock im Eisen

Der Stamm stand einst lebendig an genau diesem Ort, als Wien noch deutlich kleiner war; gefällt wurde der Baum wohl um 1440. Erste Nägel wurden bereits im 15. Jahrhundert hineingetrieben, lange bevor der Baumstamm an die Fassade des Palais Equitable angebracht wurde. Warum die Menschen damals damit anfingen, beschäftigt Historiker bis heute.
Der alte Brauch der Schlossergesellen
Im 18. Jahrhundert etablierte sich der Brauch, dass wandernde Schlossergesellen auf ihrer Durchreise einen Nagel ins Holz schlugen. Wer in Wien Station machte, hinterließ seine „Visitenkarte“ aus Eisen, um Glück, Arbeit und Schutz auf der Walz zu erbitten. Jeder Nagel steht somit für ein persönliches Handwerksschicksal auf Wanderschaft durch ganz Europa. Was vor dem 18. Jahrhundert der Grund war ist nicht eindeutig bekannt. Die wahrscheinlichste Theorie für die mittelalterliche Benagelung ist der alte Brauch, in Kreuze, Bäume und sogar Felsen, Nägel zum Schutz oder zum Dank der Heilung von Krankheiten zu schlagen – als Votivgabe, ähnlich dem Brauch in Brunnen eine Münze zu werfen.
Eine weitere spannende Geschichte rund um den Stock im Eisen ist die des Leopold Koci. Im Jänner 1944 verhinderte der Wiener Portier Leopold Koci den Abtransport des historischen „Stock im Eisen“ ins Deutsche Reich. Mit energischem Widerspruch wies er die NS-Funktionäre ab und versteckte das Wahrzeichen vorsorglich im Keller. Erst 1946 wiederentdeckt, kehrte das Denkmal im Juni 1951 feierlich an seinen angestammten Platz am Stephansplatz zurück, gerettet durch Kocis mutige Zivilcourage. Dieser mutige Wiederstand hätte auch sehr böse ausgehen können für Leopold Koci.
Teufelsschwur und unknackbare Schlösser

Natürlich hat Wien auch eine schaurige Legende parat. Ein Schlosserlehrling soll seine Seele dem Teufel verschrieben haben, um ein unbezwingbares Schloss anzufertigen. Der Teufel selbst habe das Schloss um den Stamm gelegt, das sich angeblich von keinem Sterblichen mehr öffnen ließ. Eine Bedingung hatte der Teufel allerdings. Der Lehrling dürfe nie wieder die Messe besuchen. Doch der junge Mann besann sich, ging am nächsten Sonntag trotzdem in die Kirche und rettete so seine Seele. Das Schloss aber, so heißt es, ließ sich nie wieder öffnen.
- Ort: Stock-im-Eisen-Platz 3 (Ecke Kärntner Straße/Graben), 1010 Wien
- Datum und Uhrzeit: Rund um die Uhr frei zugänglich (24/7)
- Dauer: ca. 10–15 Minuten zum Entdecken und Staunen
- Kosten: Kostenlos