Die unterirdische Virgilkapelle zählt zu den faszinierendsten historischen Schätzen der Wiener Innenstadt. Ihre Geschichte reicht bis in das frühe 13. Jahrhundert zurück. Ursprünglich wurde sie um 1220/1230 als unterirdischer Sakralraum erbaut und sollte vermutlich als Krypta für eine geplante größere Kirchenanlage dienen.
Später errichtete man direkt über ihr die oberirdische Maria-Magdalena-Kapelle auf dem ehemaligen Friedhof um den Stephansdom. Als diese Oberkirche im Jahr 1781 durch einen Brand zerstört und anschließend abgetragen wurde, schüttete man die Virgilkapelle mit Schutt zu. Sie geriet in der Folgezeit für fast zwei Jahrhunderte vollständig in Vergessenheit.
Sensationelle Wiederentdeckung beim U-Bahn-Bau

Erst im Zuge der Bauarbeiten für die Wiener U-Bahn-Linie U1 im Jahr 1973 erlebte das Bauwerk seine spektakuläre Wiederentdeckung. Bei den Schachtarbeiten rund zwölf Meter unter der Erde stießen Arbeiter überraschend auf das intakte mittelalterliche Mauerwerk. Anstatt das Bauwerk abzureißen, passte die Stadt Wien den Bau der U-Bahn-Station Stephansplatz an, um das historische Erbe zu sichern. In monatelanger Handarbeit wurde der Raum vom Schutt befreit und sorgfältig archäologisch konserviert.
Wer heute oberirdisch über den belebten Stephansplatz spaziert, kann die Ausmaße der versunkenen Geschichte direkt unter seinen Füßen erblicken. Im Pflaster des Platzes zeichnen helle und rote Steinlinien exakt den Grundriss der ehemaligen Maria-Magdalena-Kapelle sowie der darunter liegenden Virgilkapelle nach.
Die Virgilkapelle: Ein gotisches Baujuwel tief unter der Erde

Heute präsentiert sich die Virgilkapelle als Außenstelle des Wien Museums. Besucher erreichen den stimmungsvollen Raum direkt von der U-Bahn-Passage aus. Im Inneren lässt sich einer der am besten erhaltenen gotischen Sakralräume Wiens bestaunen, geprägt von einer imposanten Gewölbearchitektur und den charakteristischen, rot gemalten Wandkreuzen.
Neben der eigentlichen Kapelle befindet sich in den angrenzenden Räumen eine kompakte museumspädagogische Dauerausstellung. Dort sind historische Exponate, archäologische Fundstücke vom Stephansplatz sowie informative Schaustücke zu sehen, die einen faszinierenden Einblick in das Leben und die Entwicklung des mittelalterlichen Wiens bieten.