Einst war es das absolute Badeparadies für Generationen von Wienerinnen und Wienern, heute herrscht beklemmende Stille in der Lilienbrunngasse 7–9. Wer heute in der Leopoldstadt an den tristen Glasfronten vorbeispaziert, kann sich nur noch schwer vorstellen, dass hier einst der berühmteste Walzer der Welt seine umjubelte Premiere feierte. Doch das Dianabad blickt eben nicht nur auf eine geradezu imposante Vergangenheit seit 1810 zurück, sondern leider auch auf eine höchst wechselhafte und ungewisse Gegenwart.
Das markante Gebäude ist nach einem extrem kurzen Zwischennutzungs-Kapitel abermals komplett verlassen. Es wirkt, als hätte die Stadt einen ihrer traditionsreichsten Freizeitorte in diesen Tagen endgültig vergessen.
Vom Wellenbecken zum trockenen Ruder-Studio

Die jüngere Geschichte des vierten Dianabads endete bekanntermaßen im Jahr 2020, als der moderne und weithin beliebte Wasserpark mit seinem charakteristischen Piratenschiff für immer die Pforten schloss. Danach probierte man sich an einer durchaus kuriosen Neuerfindung, die viele Anrainer zunächst stark überraschte. Das ehemalige Wellenbecken wurde nämlich kurzerhand zu einem Indoor-Ruderzentrum umfunktioniert – allerdings völlig ohne echtes Wasser.
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Doch auch dieses moderne Sportkonzept war offenbar nicht von langer Dauer. Der ansässige Ruderclub hat das riesige und architektonisch anspruchsvolle Areal in der Zwischenzeit wieder vollständig geräumt. Somit reiht sich das gewaltige Gebäude nahtlos in die Riege der prominenten Wiener Leerstände ein und wirft unweigerlich die Frage auf, was aus diesem wertvollen Boden im zweiten Bezirk werden soll.
Der Geburtsort des Donauwalzers

Die Tragik dieses aktuellen Leerstands wird erst richtig greifbar, wenn man tief in die Historie des besonderen Orts eintaucht. Die Ursprünge des Areals gehen nämlich bis in das Jahr 1810 zurück, als hier unter großem öffentlichen Interesse das allererste Badehaus eröffnete. Noch weitaus beeindruckender: Genau hier, an diesem mittlerweile stillen Standort, erklang im Jahr 1867 zum allerersten Mal der weltberühmte Donauwalzer von Johann Strauss.
Damals diente das Dianabad in der kalten Jahreszeit als glanzvoller Ballsaal für die feine Gesellschaft, während man in den warmen Monaten ausgiebig badete. Von dieser imperialen Pracht und dem Lachen tausender Badegäste ist heute natürlich absolut nichts mehr übrig, doch die Wehmut vieler Wiener bleibt weiterhin spürbar. Ob in diese geschichtsträchtigen Hallen jemals wieder sportliches oder kulturelles Leben einkehrt, steht aktuell völlig in den Sternen.