Das Museum Gugging in Klosterneuburg ist heute einer der weltweit wichtigsten Orte für Art Brut. Wer den modernen, lichtdurchfluteten Museumsbau auf dem grünen Campus betritt, spürt sofort die besondere Energie, die von dieser Kunstsammlung ausgeht. Doch der Ort hat eine lange, tiefgründige Geschichte, die untrennbar mit den ausgestellten Werken verbunden ist.
Vom Sanatorium zum Ort der Kunst

Bevor das Areal zu einem Zentrum für zeitgenössische Kunst wurde, befand sich hier die „Niederösterreichische Landesnervenklinik Maria Gugging“. In den 1950er-Jahren begann der dortige Psychiater Leo Navratil, mit seinen Patienten zu zeichnen. Was ursprünglich als Diagnosewerkzeug gedacht war, entwickelte sich schnell zu einer Entdeckung von enormer künstlerischer Tragweite. Navratil erkannte das außergewöhnliche Talent einiger Bewohner.
Um sie gezielt zu fördern, gründete er 1981 das „Zentrum für Kunst-Psychotherapie“, das spätere Haus der Künstler. Berühmte Gugginger wie August Walla oder Oswald Tschirtner schufen hier Meisterwerke, die bald internationale Sammler und sogar Musiklegenden wie David Bowie anzogen. Im Jahr 2006 wurde schließlich das heutige Museum auf dem ehemaligen Klinikgelände eröffnet, um diesen Werken dauerhaft den Raum zu geben, den sie verdienen.
Die rohe Kraft der Art Brut im Museum Gugging

Doch was genau verbringt sich hinter der Kunstrichtung, die im museum gugging ausgestellt wird? Der Begriff Art Brut wurde in den 1940er-Jahren von dem französischen Maler Jean Dubuffet geprägt. Das französische Wort „brut“ bedeutet übersetzt so viel wie „roh“, „unverfälscht“ oder „herbe“ (wie man es beispielsweise auch vom Champagner kennt).
Bei Art Brut handelt es sich um eine Kunst abseits des etablierten Kunstbetriebs. Die Erschaffenden sind in der Regel Autodidakten – Menschen mit psychischen Ausnahmeerfahrungen, geistigen Behinderungen oder gesellschaftliche Außenseiter. Da sie nie eine Kunstakademie besucht haben, sind sie völlig frei von Modetrends, akademischen Regeln oder den Erwartungen des kommerziellen Marktes.
Ihre Werke entspringen einem tiefen, oft kompromisslosen inneren Bedürfnis nach Selbstausdruck. Genau diese Unmittelbarkeit und die rohe, ungezähmte Bildsprache machen die Faszination der Art Brut aus. Das museum gugging präsentiert diese Arbeiten auf Augenhöhe mit der klassischen Moderne und beweist, dass wahre Kreativität keine akademischen Grenzen kennt.