Eingebettet in die dichten Wälder des Wienerwaldes, nur wenige Kilometer westlich von Wien, liegt ein echtes Juwel der österreichischen Kulturlandschaft: die Kartause Mauerbach. Diese ehemalige Klosteranlage der Kartäuser blickt auf eine bewegte Geschichte zurück und gilt heute als eines der bedeutendsten barocken Baudenkmäler der Region. Wer die Hektik der Großstadt hinter sich lassen möchte, findet hier einen Ort tiefer Stille und architektonischer Schönheit.
Vom Schweigekloster zum kaiserlichen Jagdschloss

Die Geschichte der Kartause begann im Jahr 1314, als Friedrich der Schöne das Kloster stiftete. Die Mönche des Kartäuserordens lebten hier nach strengen Regeln, die von Einsamkeit, Fasten und ewigem Schweigen geprägt waren. Jeder Mönch bewohnte ein eigenes kleines Häuschen mit Garten, das um den monumentalen, rund 500 Meter langen Kreuzgang angeordnet war – dieser gilt noch heute als der längste seiner Art in Mitteleuropa.
Im Laufe der Jahrhunderte erlebte die Anlage glanzvolle, aber auch düstere Zeiten. Während der Ersten Türkenbelagerung im Jahr 1529 wurde das Kloster schwer beschädigt und geplündert. Seine heutige, prachtvolle Barockgestalt erhielt das Ensemble im 17. und frühen 18. Jahrhundert, als es umfassend neu aufgebaut wurde.
Das Ende des spirituellen Lebens kam im Jahr 1782. Im Zuge der Reformen von Kaiser Joseph II. wurde das Kloster aufgehoben. Danach diente das Areal unter anderem als kaiserliches Jagdschloss, als Versorgungsheim für Obdachlose und verfiel im 20. Jahrhundert zusehends. Erst eine umfassende Restaurierung durch das Bundesdenkmalamt ab den 1980er-Jahren rettete die Anlage vor dem Verfall.
Ein lohnendes Ausflugsziel für Besucher

Heute ist die Kartause Mauerbach wieder für die Öffentlichkeit zugänglich und ein fantastisches Ausflugsziel. Sie beherbergt das Informations- und Weiterbildungszentrum für Baudenkmalpflege des Bundesdenkmalamtes. Besucher können die Anlage regulär von Ende Mai bis Ende September an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen zwischen 10:00 und 18:00 Uhr besichtigen.
Ein Rundgang führt durch die Kirche, den beeindruckenden Kreuzgang und den liebevoll rekonstruierten barocken Kaisergarten. Neben der historischen Architektur locken spannende Sonderschauen, die sich mit traditionellem Handwerk, Archäologie und alten Bautechniken wie der historischen Farbherstellung beschäftigen. Jeden Sonntag um 15:00 Uhr wird zudem eine fundierte Führung angeboten. Dabei kann man tief in den einstigen Alltag der schweigenden Mönche eintauchen.