Das Stift Klosterneuburg vor den Toren Wiens verbindet seit über 900 Jahren imperiale Pracht, tiefen Glauben und lebendige Tradition. 1114 von Markgraf Leopold III. gegründet, birgt die monumentale Anlage faszinierende Kulturschätze und ein weltberühmtes Erbe.
Ein Jahrtausendwerk aus Emaille und Gold

Das unangefochtene Kronjuwel der sakralen Kunstsammlung ist der Verduner Altar aus dem Jahr 1181, geschaffen von Nikolaus von Verdun. Dieses Meisterwerk der mittelalterlichen Goldschmiedekunst umfasst 51 kunstvoll gestaltete Grubenschmelz-Emailtafeln, die komplexe biblische Szenen abbilden. Ursprünglich als Verkleidung für eine Kanzelbrüstung gedacht, gilt der Altar heute als einer der wichtigsten Meilensteine an der Schwelle zur Gotik.
Neben diesem sakralen Schatz beherbergt das Stift in seiner Schatzkammer den historischen österreichischen Erzherzogshut – die heilige Landeskrone von Österreich, die bis heute als Symbol der Identität gilt.
Innovation im tiefsten Keller

Genauso tief verwurzelt wie die Kunst ist die Weinkultur des Hauses. Das Stift Klosterneuburg betreibt das älteste noch bestehende Weingut Österreichs. Seit der Gründung wird hier lückenlos Wein gekeltert. Die heutigen Rebflächen erstrecken sich über 108 Hektar in renommierten Lagen bis nach Wien.
Wer das Stift besucht, sollte den historischen Weinkeller besichtigen. Die barocke, vierstöckige Kelleranlage reicht beeindruckende 36 Meter tief unter die Erde. Das Stift glänzt jedoch nicht nur durch Tradition, sondern auch durch Fortschritt. Seit 2009 gilt es als das erste zertifizierte klimaneutrale Weingut des Landes. Zudem reifen in diesen kühlen, geschichtsträchtigen Gewölben heute exzellente Lagenweine sowie edle Sekte nach der traditionellen Methode heran, die regelmäßig internationale Prämierungen erhalten.
Sagenhafter Ursprung

Ein letzter, spannender Fakt betrifft die Gründung des Klosters, um die sich eine charmante Legende rankt. Am Tag ihrer Hochzeit verlor Agnes von Deutschland, die Gemahlin Leopolds III., durch einen Windstoß ihren kostbaren Brautschleier. Neun Jahre später fand der Markgraf den Schleier unversehrt an einem Holunderstrauch im Wald wieder. Er sah darin ein göttliches Zeichen und ließ genau an dieser Stelle das Stift Klosterneuburg errichten.