Wenn ihr durch Wiens Sammlungen streift, stolpert ihr über echte Weltgeschichte, kaiserlichen Prunk und radikale zeitgenössische Kunst. Manche Häuser sind an regnerischen Wochenenden bummvoll, andere bieten entspannte Ecken zum Ausrasten und Staunen. Wir haben für euch die fünfzehn besten Museen in Wien recherchiert. So erspart ihr euch langes Suchen und wisst direkt, wo es hingeht.
Leopold Museum
Der markante weiße Kubus aus Muschelkalk dominiert den Innenhof des MuseumsQuartiers und liefert euch die volle Ladung „Wien um 1900“. Ihr seht die größte Egon-Schiele-Sammlung der Welt, inklusive dem bekannten Porträt von Wally Neuzil, sowie Gustav Klimts zentrales Werk „Tod und Leben“.
Das Museum zeigt nicht nur Gemälde, sondern widmet sich dem kompletten Lebensgefühl der damaligen Zeit. Originale Möbel von Adolf Loos und Josef Hoffmann zeigen euch die damalige Design-Revolution – weg vom Plüsch, hin zur klaren Kante. Durch die großen Panoramafenster im oberen Stockwerk könnt ihr zwischendurch immer wieder das historische Zentrum auf der anderen Straßenseite beobachten.
Naturhistorisches Museum (NHM)

Ihr wandert in historischer Ringstraßen-Architektur vorbei an riesigen Dinosaurier-Skeletten, urzeitlichen Insekten und der ausgestorbenen Stellerschen Seekuh. Im Meteoritensaal liegen echte Steine vom Mars, die ihr teilweise sogar berühren dürft. Das absolute Highlight ist die Venus von Willendorf: Die gerade einmal elf Zentimeter kleine Kalkstein-Figur ist fast 30.000 Jahre alt und hat einen eigenen dunklen, stark gesicherten Raum.
Daneben punktet das Haus mit seiner Anthropologie-Abteilung, die menschliche Evolution greifbar macht. Die unzähligen historischen Vitrinen aus dunklem Holz konservieren ganz nebenbei den Charme des 19. Jahrhunderts. Wer visuell noch mehr braucht, bucht sich vorab ein Ticket für das digitale Planetarium unter der Kuppel.
Belvedere

Im Barockschloss dreht sich alles um österreichische Kunst, präsentiert in den ehemaligen Repräsentationsräumen von Prinz Eugen von Savoyen. Der absolute Publikumsmagnet ist Gustav Klimts „Der Kuss“, der oft von Menschentrauben belagert wird. Ihr findet hier aber weitaus mehr: expressionistische Porträts von Egon Schiele, die schrägen „Charakterköpfe“ des Bildhauers Franz Xaver Messerschmidt und detailreiche Werke aus dem Biedermeier.
Im historischen Marmorsaal, wo rote Wände auf massiven Goldstuck treffen, wurde zudem 1955 der Österreichische Staatsvertrag unterzeichnet. Nach dem Rundgang durch die Säle lohnt sich der Weg in den abschüssigen Barockgarten. Von dort habt ihr den berühmten „Canaletto-Blick“ über die Wiener Innenstadt.
Kunsthistorisches Museum (KHM)

In der Gemäldegalerie hängen Schwergewichte wie Pieter Bruegels „Bauernhochzeit“ und Werke von Peter Paul Rubens. Im Erdgeschoß wartet die Kunstkammer mit kuriosen Renaissance-Automaten und der Saliera von Benvenuto Cellini auf euch – jenes goldene Salzfass, das 2003 gestohlen und später in einem Sackerl im Waldviertel wiedergefunden wurde.
Dazu kommt die Ägyptisch-Orientalische Sammlung, wo ihr mumifizierte Falken und meterhohe Sarkophage aus der Nähe betrachtet. Die Architektur selbst ist ein eigenes Ausstellungsstück. Wenn ihr die monumentale Hauptstiege hinaufgeht, blickt ihr auf feine Wandgemälde von Gustav Klimt. Unter der riesigen Kuppel gibt es zudem ein Café, in dem ihr euch bei einer Melange wunderbar ausrasten könnt, bevor es weitergeht.
mumok (Museum moderner Kunst)

Gleich schräg gegenüber vom Leopold Museum steht der dunkelgraue Basalt-Block des mumok. Das ist eure Adresse für alles, was radikal und zeitgenössisch ist. Die permanente Sammlung zeigt Pop Art von Andy Warhol, scharfen Fotorealismus und legt einen starken Fokus auf den Wiener Aktionismus.
Wer sich für die provokanten Performances von Günter Brus oder Hermann Nitsch interessiert, bekommt hier fundierte Einblicke. Macht euch auf laute Videokunst, riesige Installationen und Raumkonzepte gefasst, die oft stark polarisieren und zum Diskutieren anregen. Das Gebäude selbst zieht euch über mehrere verwinkelte Ebenen in die Tiefe und hat akustisch einen ganz eigenen, leicht gedämpften Charakter.
Albertina
Die permanente Sammlung „Monet bis Picasso“ (Sammlung Batliner) zeigt euch den Übergang zur klassischen Moderne mit Gemälden von Cézanne, Degas und Chagall. Bekannt ist das Haus am Albertinaplatz aber vor allem für seine gigantische grafische Sammlung. Hier wohnt Albrecht Dürers „Feldhase“, der aus Konservierungsgründen in den Sälen oft durch hochwertige Faksimiles vertreten wird.
Zudem spaziert ihr durch 20 originalgetreu restaurierte Prunkräume, die euch demonstrieren, wie Marie Christine – Maria Theresias Lieblingstochter – damals residierte. Ihr bekommt also einen Mix aus Habsburgischem Hofleben, Intarsien-Böden und Weltklasse-Kunst. Im Jänner oder Feber ist es hier herrlich warm, und der Blick von der Bastei hinüber zur Oper ist ein netter Bonus.
Technisches Museum Wien (TMW)

Hier steht ihr vor massiven Dampflokomotiven, dem prunkvollen Hofsalonwagen von Kaiserin Elisabeth und frühen Fluggeräten, die unter der Decke hängen. Das Museum bereitet Technikgeschichte so auf, dass sie nicht trocken wirkt. In der Hochspannungsvorführung knallen laute, künstliche Blitze durch den Raum, und im Untergeschoß erkundet ihr ein detailgetreu nachgebautes Kohlebergwerk.
Es geht aber nicht nur um die Vergangenheit: Das Haus widmet sich auch intensiv Themen wie künstlicher Intelligenz, Robotik und nachhaltiger Energiegewinnung. Perfekt, um komplexe Vorgänge zu begreifen, weil ihr an vielen interaktiven Stationen selbst Knöpfe drücken, Hebel ziehen und experimentieren dürft.
Wien Museum Karlsplatz
Nach dem jahrelangen Umbau ist das Haus am Karlsplatz wieder offen und architektonisch extrem leiwand geraten. Die neue Dauerausstellung „Wien. Meine Geschichte“ führt euch auf drei Etagen chronologisch von den römischen Ausgrabungen bis in die Gegenwart. Ihr trefft auf die originalen Blei-Figuren des Donnerbrunnens, ein riesiges Stadtmodell von 1850 und Klimts berühmtes Gemälde der „Pallas Athene“.
Dazu gesellen sich Alltagsgegenstände, alte Geschäftsschilder und Modelle des alten Südbahnhofs. Von der frei zugänglichen Terrasse im neuen Glas-Fugengeschoss werft ihr zudem einen perfekten Blick auf die Kuppel der Karlskirche. Das Beste daran: Die gesamte Dauerausstellung kostet euch keinen Cent.
MAK (Museum für angewandte Kunst)
Das Museum am Stubenring präsentiert den fließenden Übergang zwischen freier Kunst und echtem Handwerk. Ihr spaziert durch hohe Säle und findet Gustav Klimts Arbeitsentwürfe für den riesigen Stoclet-Fries sowie einen ganzen Raum voller Thonet-Bugholzsessel, die ihr aus den Wiener Kaffeehäusern kennt.
Die Wien 1900-Sammlung fokussiert sich auf die Wiener Werkstätte, mit filigranen Gläsern, Besteck und Textilien, die Designgeschichte geschrieben haben. Die weitläufige Säulenhalle im Erdgeschoß wird oft für groß angelegte Ausstellungen zu zeitgenössischer Architektur und aktuellen Designtrends genutzt. Wer sich für Typografie oder Möbeldesign interessiert, verbringt hier problemlos einen ganzen Nachmittag.
Weltmuseum Wien

Mitten in der Hofburg, direkt unter den schweren kaiserlichen Säulen, findet ihr eine der bedeutendsten ethnologischen Sammlungen Europas. Der absolute Mittelpunkt des Hauses ist die altmexikanische Federkrone, oft einfach Penacho genannt. Dieser Kopfschmuck aus Hunderten schillernden Quetzalfedern ist das letzte erhaltene Stück seiner Art und wird politisch seit Jahrzehnten heiß diskutiert, da Mexiko das Objekt regelmäßig zurückfordert. Ein Transport gilt laut Experten derzeit aber als zu riskant für das filigrane Material.
Neben diesem Streitobjekt spaziert ihr durch abgedunkelte Säle voller indonesischer Schattenspielfiguren, Samurai-Rüstungen und hawaiianischer Federumhänge. Die Sammlung speist sich stark aus den Objekten, die Forscher und Entdecker wie James Cook von ihren Pazifik-Reisen nach Wien brachten. Die moderne Ausstellungsarchitektur liefert dabei einen massiven Kontrast zum historischen Habsburger-Prunk der Wände. Wenn ihr globale Kulturgeschichte abseits der klassischen europäischen Perspektive sucht, seid ihr hier richtig.
Haus der Geschichte Österreich (hdgö)

Ebenfalls am Heldenplatz, aber thematisch völlig anders gelagert, sitzt das hdgö in der Neuen Burg. Hier geht es rein um die österreichische Geschichte ab dem Jahr 1918. Die Dauerausstellung arbeitet die komplexe Gründung der Ersten Republik, den Austrofaschismus und die düstere Zeit des Nationalsozialismus sachlich und schonungslos auf. Das Haus versteht sich als Diskussionsort und stellt immer wieder Bezüge zur heutigen Gesellschaft her.
Ihr seht hier sehr greifbare Objekte: Die stark beschädigte Holzbank aus dem Parlament, die beim Brand des Justizpalastes 1927 verkohlte, oder alte Wahlurnen aus der Nachkriegszeit. Das Museum liegt brisanterweise genau hinter jenem Altan (dem berühmten Balkon), von dem aus Adolf Hitler 1938 den „Anschluss“ Österreichs verkündete. Die Aufarbeitung ist extrem textlastig und verlangt euch einiges an Lesezeit ab – sie liefert aber das absolute Fundament, um das heutige Land wirklich zu verstehen.
Heeresgeschichtliches Museum (HGM)

Das HGM im dritten Bezirk ist eines der ältesten Militärmuseen der Welt und residiert im Arsenal, einem massiven, sternförmigen Backsteinkomplex, der direkt nach der blutigen Revolution von 1848 hochgezogen wurde. In den weitläufigen, fast sakral anmutenden Hallen findet ihr das Originalauto aus Sarajevo – jenen Gräf & Stift Doppelphaeton, in dem Thronfolger Franz Ferdinand 1914 erschossen wurde. Das Einschussloch im Blech ist noch immer deutlich erkennbar.
Gleich daneben liegt der zerschlissene, blutgetränkte Waffenrock des Erzherzogs. Die Sammlung des Museums zieht sich vom Dreißigjährigen Krieg über die osmanischen Belagerungen bis zum Zweiten Weltkrieg. Zwischen schweren Panzern im Außenbereich, glänzenden Rüstungen und einem riesigen türkischen Zelt bekommt ihr hier die geballte militärische Historie serviert. Ein Besuch ist visuell wuchtig und zeigt die harten technischen Realitäten des Krieges auf.
Kunst Haus Wien Hundertwasser

Glatte Flächen und rechte Winkel sucht ihr hier vergeblich. Das Kunst Haus Wien wurde vom Künstler Friedensreich Hundertwasser gestaltet, für den die gerade Linie schlichtweg „gottlos“ war. Entsprechend uneben sind die Böden im gesamten Gebäude, aus den Fenstern wachsen echte Bäume und die Fassade ist ein wildes Mosaik aus bunten Kacheln. Es beherbergt die weltweit einzige Dauerausstellung zu seinen Gemälden, Grafiken und ökologischen Visionen.
Neben dem starken Hundertwasser-Fokus hat sich das frisch renovierte Haus im Weißgerberviertel als erstklassige Adresse für Fotografie etabliert. Ihr findet in den oberen Stockwerken regelmäßig spannende Retrospektiven internationaler Fotografen. Wenn euch die schiefen Böden beim Gehen irgendwann in den Waden ziehen, setzt ihr euch am besten in den idyllischen Schanigarten im Innenhof – eine angenehm kühle, dicht bewachsene Oase mitten im städtischen Beton.
Sigmund Freud Museum
Im neunten Bezirk betretet ihr den exakten Ort, an dem die Psychoanalyse das Licht der Welt erblickte. In der Berggasse 19 lebte und ordinierte Sigmund Freud fast ein halbes Jahrhundert lang, bevor er 1938 vor den Nationalsozialisten nach London fliehen musste. Die weltberühmte Couch steht heute zwar in England, aber die originalen Räume, der alte Wartebereich und unzählige Dokumente lassen die Atmosphäre der Wiener Jahrhundertwende wieder aufleben.
Das Museum wurde vor wenigen Jahren komplett saniert und zugänglich gemacht, sodass ihr nun auch durch die privaten Wohnräume der Familie Freud spaziert. Ihr erfahrt harte Fakten über die erste Entwicklung der Traumdeutung und seht Freuds persönliche Sammlung an antiken Statuen, die ihn bei seiner Arbeit inspirierten. Wer sich für Psychologie oder die intellektuelle Geschichte der Stadt interessiert, kommt an dieser Adresse definitiv nicht vorbei.