Wenn ihr beim Spazieren durch den 14. Bezirk plötzlich vor überwucherten, gotischen Fensterbögen steht, rechnet ihr fix mit einer echten, historischen Burgruine. Dabei ist die sogenannte Ruinenvilla im Penzinger Dehnepark ein Sonderfall unter den verlassenen Orten in Wien. Das absurde Detail: Das Bauwerk wurde Ende des 18. Jahrhunderts exakt so in den Wald gesetzt – als künstliche Ruine.
Eine grüne Oase mit skurriler Geschichte
Der Dehnepark liegt direkt am Rand des Wienerwalds und ist für viele Penzinger der absolute Go-to-Spot, um nach der Hacken ein bisserl in Wald und auf Wiesn auszurasten. Wo heute Familien spazieren gehen, flanierte ab 1791 die Fürstin Maria Antoine Paar durch ihren eigens angelegten englischen Landschaftsgarten.
Später kaufte der stadtbekannte Zuckerbäcker August Dehne das fast 50.000 Quadratmeter große Areal. Sein Geld aus der Hofzuckerbäckerei am Michaelerplatz steckte er direkt in dieses bewaldete Grundstück. Mitten in dieser Idylle findet ihr heute den wohl kuriosesten Bau der Gegend.
Ein Lost Place, der eigentlich keiner war
Versteckt unter wuchernden Ästen und dickem Moos steht die neugotische Ruinenvilla. Die moosbedeckten Steine und leeren Fensterbögen liefern euch feinstes „Dark Academia“-Feeling. Wenn an kühleren Tagen der Nebel durch den Park zieht, wirkt die Anlage fast wie aus einem alten Schauerroman entsprungen. Es ist die perfekte Location für alle, die Urban Exploring mögen, sich aber nicht in dunkle Fabrikhallen wagen wollen.
Ursprünglich diente das Bauwerk kurioserweise als Orangerie. Später gehörte das Areal sogar der Wiener Schauspiel- und Filmlegende Willi Forst, der dort Teile neu aufbaute, bevor der Park 1969 an die Stadt Wien ging. Heute fehlt das Dach komplett und die Natur hat das Kommando völlig übernommen.
Schauen ja, reinklettern absolut verboten
So reizvoll das verlassene Gebäude auch wirkt, hier gilt eine strikte Regel: Bleibt hinter dem Bauzaun. Die alte Orangerie bröckelt massiv und ist extrem einsturzgefährdet.
Wer über den Zaun klettert, riskiert nicht nur eine saftige Strafe und Verletzungen, sondern macht auch das ohnehin schon fragile historische Mauerwerk kaputt. Die besten Fotomotive bekommt ihr sowieso von außen, wenn ihr das dichte Grün im Vordergrund als natürlichen Rahmen für eure Bilder nutzt.
Was man auf den ersten Blick leicht übersieht
Wenn ihr die Ruine umrundet habt, spaziert unbedingt noch ein Stückchen weiter zum Wasser hinunter. Vor allem ab dem Frühjahr sonnen sich beim Ruinenteich oft Rotwangen-Schmuckschildkröten auf den Ästen im Wasser. Ein ziemlich ruhiges Eck, auch wenn die Hauptwiesen im Dehnepark zu den eher bekannnteren Flecken dort gehören. Ihr erreicht den Park übrigens ganz unkompliziert: Steigt einfach bei der U4-Endstation Hütteldorf in den 47A und fahrt bis zur Station Dehnepark.