Die meisten von uns haben als Kinder wohl mindestens einmal den Disney-Film Bambi gesehen. Das Buch, auf welchem dieser beruht, dürften hingegen weitaus weniger gelesen haben. Dabei stammte dessen Autor nicht nur aus Österreich, sondern lebte die längste Zeit in Wien und schuf hier den internationalen Exportschlager. Neben der Hermesvilla im Lainzer Tiergarten ist die Cottagegasse im 18. somit eine weitere Pilgerstätte, die waschechte Disney-Fans in Wien besuchen sollten.
Eine Lebensgeschichte aus Österreich

Felix Salten erblickte 1869 in Pest das Licht der Welt und zog vier Wochen später mit seiner Familie nach Wien, wo er die meiste Zeit seines Lebens verbrachte. Im Alter von 20 Jahren veröffentlichte er sein erstes Gedicht in der Zeitschrift „An der schönen blauen Donau“ und lebte seither als Schriftsteller. Er lernte das Jung-Wien rund um Hugo von Hofmannsthal Arthur Schnitzler und Karl Kraus in den Kaffeehäusern kennen, überwarf sich aber Jahre später mit letzterem. Salten arbeitete als Zeitungsredakteur und Theaterkritiker und schrieb später Drehbücher und Libretti, darunter auch Reiche Mädchen zur Musik von Strauss.
Schließlich wandte er sich den Romanen zu. in den 1920ern gelang es ihm, einige erfolgreiche Werke zu veröffentlichen, darunter Der Hund von Florenz, Die Jugend des Eichhörnchens Perri und Bambi. Eine Lebensgeschichte aus dem Walde. Alle drei dieser Romane erfuhren eine Verfilmung durch Walt Disney, wobei Bambi natürlich mit Abstand am erfolgreichsten war. Salten selbst war Jäger und hatte sein eigenes Revier außerhalb von Wien, was sich in seinen Tiergeschichten widerspiegelt.
Bambi: Das Vermächtnis von Felix Salten
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Der Roman zu Bambi erschien Ende 1922 (vordatiert auf 1923) und erhielt seine englische Übersetzung 1928. Fünf Jahre später ergatterte der Regisseur Sidney Franklin die Filmrechte und begann sogleich mit der Umsetzung. Nach zwei Jahren verwarf er die Idee eines Realfilms und wandte sich an Disney, um die Geschichte stattdessen als Zeichentrickproduktion umzusetzen. 1942 war es schließlich soweit und Bambi flimmerte über die Leinwand. Während sich die Buchvorlage in erster Linie an Erwachsene richtete, war der Film für Kinder gedacht und fiel weniger düster aus, wenngleich Bambi als einer der ernsthaftesten Disney-Filme gilt. Außerdem ist Bambi im Roman ein Reh, wird im Film aber zum Hirsch.
Als Salten sein Buch schrieb, lebte er in der Cottagegasse 37 in Währing. Noch heute steht die Villa und zieht Disney-Fans wie Schaulustige gleichermaßen an. Eine kleine Rehstaute ziert die Mauer vor dem Haus und eine Plakette erinnert an seinen berühmten Bewohner: „In diesem Haus schrieb Felix Salten 1923 Bambi“. Der Wiener Cottage Verein bietet Touren durch das Viertel an, die ihr auf deutsch und englisch unternehmen könnt. Hierbei erfahrt ihr mehr über die berühmten Anwohner der Nachbarschaft, zu denen auch Arthur Schnitzler zählte.
Neben dem „Bambi-Haus“ im 18. erinnert auch die Saltenstraße im 22. an den berühmten Wiener Autor. 1939 zog der jüdische Salten, geboren Salzmann, nach Zürich, um dem NS-Regime zu entkommen. Hier verbrachte er die letzten Jahre bis zu seinem Tod. Heute steht ein Bambi-Brunnen in der Stadt und gedenkt dem Schriftsteller. Falls ihr also einmal nach Zürich kommt, könnt ihr auch hier die Spuren von Bambi finden.