Wer das prachtvolle Eckhaus an der Rechten Wienzeile betritt, wird augenblicklich in eine andere Welt katapultiert. Hier, am Rande des wuseligen Naschmarkts, verschmelzen kaiserlicher Prunk und moderne Offenheit zu einem Erlebnis. Ein Kaffeehaus, das in Wien seinesgleichen sucht. Es ist ein Ort, der Geschichten aus über 120 Jahren atmet und heute als eines der wichtigsten Zentren der queeren Community in Wien gilt.

Die Geschichte dieses Juwels begann 1896 mit der Eröffnung unter dem Namen „Café Wienzeile“. Franz Neumann entwarf das Gebäude im Stil des Historismus. Im Inneren hinterließ der berühmte Architekt Theophil von Hansen seine prachtvolle Handschrift. Hansen schuf auch das österreichische Parlament sowie den Wiener Musikverein. Diese aristokratische Herkunft ist heute noch in jedem Winkel spürbar. Üppige Stuckaturen und prachtvolle Deckenmalereien zeugen von glanzvollen Zeiten. Das Kaffeehaus Savoy war einst der erweiterte Wohnsalon des gehobenen Bürgertums.
Ein Kaffeehaus mit Glanz
Das unbestrittene Highlight der Innenausstattung sind jedoch die beiden gewaltigen Wandspiegel. Es handelt sich dabei um die größten aus einem Stück gegossenen Glasspiegel Europas, die jemals in einem öffentlichen Gebäude installiert wurden. Hergestellt in Belgien, wurden sie damals mit unglaublichem Aufwand nach Wien transportiert. Wenn man zwischen ihnen steht, entsteht ein faszinierender Effekt der Unendlichkeit – ein optisches Spiel, das perfekt mit dem glitzernden Kristall-Luster harmoniert, der majestätisch von der Decke hängt.

Vom kaiserlichen Salon zum queeren Herzstück
Der Wandel zur queeren Institution vollzog sich ab den 1980er Jahren. Durch die Nähe zum Naschmarkt, der sich zum Epizentrum des LGBTQ+-Lebens in Wien entwickelte, wurde das Café Savoy zum sicheren Hafen. Während andere Traditionshäuser damals noch konservativ und teils ausschließend agierten, öffnete man hier die Türen für alle. In den 90er Jahren festigte sich dieser Status endgültig. Prunkvolle Tradition und liberale Identität wurden hier zum Statement – ein Beweis, dass kaiserliches Erbe und regenbogenbunte Freiheit wunderbar zusammenpassen.

Ein Genuss für alle Sinne
Ein Besuch ist jedoch nicht nur eine historische Entdeckungsreise, sondern auch ein kulinarisches Highlight. Besonders empfehlenswert ist der ausgiebige Brunch, der an jedem ersten Sonntag im Monat stattfindet und eine bunte Mischung aus Kiez-Bewohnern und Touristen anzieht. Wer es klassisch süß mag, sollte unbedingt eine Sacher-Torte oder einen der hausgemachten Strudel probieren. Inmitten der gigantischen Spiegel bei einer Melange das bunte Treiben am Naschmarkt zu beobachten, ist wohl eine der authentischsten Wiener Erfahrungen, die man machen kann.