Wien ist in erster Linie als Hochburg des Jugendstils bekannt, doch findet ihr in unserer Stadt auch einige Barockbauten, wie das alte Rathaus, die Hofburg, und viele der Palais und Kirchen. Eine wahrhafte Perle dieser kunstgeschichtlichen Epoche liegt aber außerhalb unserer Stadt in der Wachau: Das Stift Melk hat Barock quasi durchgespielt und zählt zu den bekanntesten Wahrzeichen Österreichs. Hier trifft Prunk auf Protz in Räumen, die vor Fresken, Stuck und sonstigen Verzierungen geradezu überborden. Verliert euch bei einem Tagesausflug im Detailreichtum des Klosters, an dem ihr euch kaum sattsehen könnt.
Von wirtschaftsschwach zu Prunkbau

Man sieht es dem heutigen Bauwerk nicht an, doch Stift Melk hatte über Jahrhunderte hinweg finanziell zu kämpfen. Die Gründung des Klosters reicht zurück bis 1089, als die ersten Benediktinermönche sich im damaligen Neubau auf dem Berg über Melk an der Donau niederließen. Es war direkt dem Papst unterstellt und hatte seine eigene Schreibstube und Klosterschule. Doch 200 Jahre nach der Gründung brach ein Brand aus, der das Stift Melk fast vollständig zerstörte. Damit begann die wirtschaftliche Misere des Klosters, die bis ins 16. Jahrhundert anhielt.
1564 kam Urban Perntaz nach Melk, der das Kloster wieder auf Kurs brachte und den Grundstein für dessen wirtschaftlichen Aufschwung legte. Schulden wurden abgebaut, das Kloster restauriert und trotz des Dreißigjährigen Kriegs zeigte die Kurve für Melk nach oben. Schließlich gewann am 18. November 1700 Berthold Dietmayr die Wahl zum Abt und begann mit dem kompletten Neubau des Klosters. Nach 36 Jahren beendete man die Bauarbeiten und Stift Melk war als barocke Anlage wiedergeboren, die heute zahlreiche Touristen anzieht.
Das größte Barockkloster Österreichs

Stift Melk ist eine imposante Anlage über der Donau, die in ihrer Hauptachse ganze 320 Meter in der Länge misst. Ihr betretet das Kloster im Osten durch das große Portal, wo euch die Heiligen Leopold und Koloman begrüßen. Dahinter erwartet euch die prunkvolle Fassade von Stift Melk, das nur darauf wartet, von euch entdeckt zu werden. Das Kloster verfügt über zahlreiche eindrucksvolle Räume sowie ein Museum, deren Besichtigung sich in jedem Fall lohnt. Besonders stechen jedoch der Marmorsaal und die Stiftbibliothek hervor.
Erster war ein Festsaal für weltliche Gäste und besteht aus, wie der Name bereits verrät, echtem Salzburger und Stuckmamor. Die gesamte Decke ist ein riesiges detailliertes Fresko von Paul Troger. Er wirkte auch in der Bibliothek, die sich über ganze drei Stockwerke erstreckt. Sie ist durch eine Wendeltreppe mit der Kirche verbunden, welche von zwei Türmen flankiert wird und über eine 64 Meter hohe Kuppel verfügt. Ihr Inneres prägen prunkvolle Verzierungen aus Stuck und Blattgold, sowie zahlreiche Fresken.
Wenn ihr irgendwann genug von den kitschigen Räumen des Stifts habt, könnt ihr in den Gärten frische Luft schnappen und die akkuraten Grünanalgen bewundern. Spaziert durch das Paradiesgärtlein und unter den 250-jährigen Linden entlang. Steht euch zwischendurch doch wieder der Sinn nach Barock, könnt ihr im Pavillon vorbeischauen, wo mehr Stuck und Fresken auf euch warten. Hier könnt ihr in ein Café einkehren, um euch zu stärken. Oder ihr geht in das Stiftrestaurant, das in eine kleinere Parkanlage eingegliedert ist.
Ein Besuch im Stift Melk

Das Stift Melk gilt als Wahrzeichen der Wachau und ist seit 2000 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Umberto Eco benannte den Hauptcharakter seines Romans „Der Name der Rose“ nach dem Kloster, wodurch es weiter an Bekanntheit gewann. Wenn ihr Stift Melk selbst besuchen wollt, benötigt ihr von Wien aus ca. eine Stunde und zahlt regulär 16€ Eintritt an der Tageskassa. Ihr könnt es auf eigene Faust erkunden oder an einer Führung teilnehmen. Ein Audioguide steht ebenfalls zur Verfügung.
Des weiteren finden regelmäßig kulturelle Veranstaltungen in Stift Melk statt, wie Konzerte und Vernissagen. Im Mai könnt ihr hier außerdem die Barocktage besuchen, denn welcher Ort wäre passender? Schließlich ist das Kloster laut Steven Beller das „sinnbildlichste und dominanteste Barockgebäude“.
📍 Ort: Stift Melk, Stiftsstr. 1, 3390 Melk
🕑 Öffnungszeiten: 01. April bis 31. Oktober 09 bis 17:30 Uhr
💶 Preisinformation: 16€ regulär, 8€ ermäßigt, 4€ Aufpreis für Führungen