Ein ehemaliges Gipsbergwerk vor den Toren Wiens beherbergt ein gigantisches Gewässer. Zieht euch warm an, denn es geht tief unter die Erde.
Nur etwa eine halbe Stunde von der Stadtgrenze entfernt verbirgt sich in Niederösterreich hinter einer unscheinbaren Fassade eine historische Überraschung, die heute ziemlich beeindruckend ist.
Ein Knall mit weitreichenden Folgen

Im Jahr 1912 passierte im damaligen Gipsbergwerk in der Hinterbrühl ein massiver Fehler. Bei einer Routinesprengung brachen urplötzlich knapp 20 Millionen Liter Wasser in die Stollen ein und fluteten die unteren Ebenen.
Was damals das sofortige Aus für den Bergbau und einen wirtschaftlichen Totalschaden bedeutete, schuf überaschenderweise ein beeindruckendes Naturdenkmal. Das Wasser füllte die tieferen Schächte komplett und bildete mit einer Fläche von 6.200 Quadratmetern den größten unterirdischen See Europas. Heute findet man Infos zum Ort unter dem Namen Seegrotte Hinterbrühl.
Geräuschlos über das Wasser gleiten

Bevor ihr überhaupt ans Ufer kommt, spaziert ihr durch die alten, dämmrigen Gänge des Bergwerks. Dabei passiert ihr alte Förderwägen und bekommt ein gutes Gspür dafür, wie knochenhart die Arbeit im Gipsabbau vor über hundert Jahren war.
Ganz unten angekommen, steigt ihr in flache Elektroboote. Ihr gleitet fast lautlos über das extrem klare, spiegelglatte Wasser, während die dezent beleuchteten Felswände an euch vorbeiziehen und sich auf der Wasseroberfläche spiegeln.
Das ist ein Gefühl, was man so schnell nicht vergisst, und bei dem die Fantasien über unheimliche Gruselgeschichten und die Vergangenheit einen auch nach dem Besuch noch gewiss lange festhalten.
Warum ihr auch im Hochsommer den Pulli braucht

Tief unten im Gestein gibt es keine Jahreszeiten, hier herrscht konstant eine Temperatur von 9 Grad Celsius. Wer also im August im knappen Leiberl anreist, wird bei der rund 45-minütigen Führung ordentlich schlottern. Packt euch also unbedingt eine warme Jacke ein.
Noch ein Detail für die Film-Nerds unter euch: Die dunklen Höhlen dienten schon als Kulisse für den 90er-Jahre-Hollywood-Hit Die drei Musketiere mit Charlie Sheen. Achtet mal auf die massiven Felsbögen am Ufer, wenn ihr mit dem Boot durch die Stollen manövriert.