Wenn im Frühling die Natur aus dem Winterschlaf erwacht, zieht es die halbe Stadt nach draußen. Wer in Wien ein Ausflugsziel sucht, das komplett ohne den üblichen Hauptstadt-Trubel auskommt, sollte sich den 19. Bezirk genauer ansehen.
Direkt an der Hohen Warte versteckt sich ein Stück Tokio, das 1992 vom Landschaftsarchitekten Ken Nakajima bis ins kleinste Detail durchgeplant wurde. Genau hier, umgeben von Bambus und Ahorn, findet ein kulturelles Ritual statt, das euch sofort entschleunigt.
Matcha, Stille und eine 400 Jahre alte Tradition
Die sogenannte Chadō, der japanische Teeweg, ist keine schnelle Kaffeehaus-Nummer, bei der ihr den Espresso im Stehen kippt. Es ist genau das Gegenteil. Es geht um absolute Präzision, Harmonie und Hochachtung. Der Verein Chado Urasenke Tankokai Austria Association zelebriert diese Kunst im kleinen Holz-Teehaus direkt am Teich des Setagayaparks.
Dabei steht nicht nur der perfekte Matcha im Fokus, sondern die Philosophie von „Wabi“ – der Ästhetik des Einfachen. Am 24. Mai 2026 ist es wieder so weit, wenn die Saison richtig startet. Lest bis zum Ende, wenn ihr nicht so lange warten möchtet. Wir haben einen Tipp für euch, wie ihr schneller an den besonderen Tee aus der Zeremonie kommt.
Pünktlich um 14:00 und 16:00 Uhr könnt ihr live dabei zusehen, wie die Teemeister jeden Handgriff zelebrieren. Der Eintritt ist dabei frei, es wird lediglich um freiwillige Spenden gebeten. Da der Platz rund um das Häuschen aber gerne mal gsteckt voll wird, solltet ihr euch rechtzeitig ein gutes Platzerl sichern.
Ein Stück Japan im Wiener Frühling
Neben der Zeremonie an sich ist das Setting einfach extrem leiwand. Die 4000 Quadratmeter große Anlage wurde als Symbol der Freundschaft zwischen Döbling und dem Tokioter Bezirk Setagaya angelegt. Wenn im Frühling die japanische Zierkirsche blüht und die Magnolien in den kräftigsten Rosatönen strahlen, wirkt die Kulisse mit dem kleinen Wasserfall und den Steinlaternen wie aus einer anderen Welt.
Das Areal ist perfekt, um nach der Zeremonie noch ein bisserl auszurasten oder eine kleine Runde spazieren zu gehen. Wer den Tag nach der Zen-Erfahrung noch weiter auskosten möchte, hat von hier aus viele Möglichkeiten.
Ihr könntet beispielsweise in Richtung Wasser aufbrechen und noch einen Abstecher zu den nahegelegenen Seen machen. Alternativ könnt ihr in einem der vielen gemütlichen Restaurants in der Umgebung den Hunger stillen. Der Park ist öffentlich übrigens extrem gut angebunden, ihr müsst einfach nur die Straßenbahnlinie 37 bis zur Barawitzkagasse nehmen.
Was die meisten beim Eingang übersehen
Direkt beim Reingehen spazieren die allermeisten Besucher sofort auf den malerischen Teich zu. Bleibt aber unbedingt gleich am Anfang beim hölzernen Bambustor kurz stehen. Dort befindet sich ein traditionelles Steinbecken, das sogenannte Tsukubai.
An genau dieser Stelle waschen sich die Gäste vor der Teezeremonie rituell Hände und Mund, um sich symbolisch vom weltlichen Staub zu reinigen. Wer diesen Schritt kennt und live beobachtet, versteht die tiefere Bedeutung der nachfolgenden Zeremonie gleich viel besser.
Wer nicht bis zum 24. Mai 2026 auf die Tee Zeremonie warten kann, findet die Urasenke Tankokai Austria Association, die das Event veranstaltet auch vorher auf dem Kirschenhain-Fest auf der Donauinsel am 21. April 2026.