Versteckt direkt hinter dem imposanten Stephansdom erstreckt sich auf knapp 115 Metern eines der ältesten erhaltene Gassensystem Wiens, das Blutgassenviertel, dessen Anfänge bis ins 12. Jahrhundert zurückreichen. Aber was macht speziell die Blutgasse in 1010 Wien so besonders und warum solltet ihr sie genau jetzt besuchen?
Die Verbindung zwischen Singerstraße und Domgasse begeistert neben ruhigen Pawlatschenhöfen vor allem durch eine sagenumwobene Geschichte rund um den geheimnisvollsten Ritterorden des Mittelalters. Dieser Ort zeigt euch das historische Wien von seiner mystischsten Seite.
Die blutige Verschwörung gegen die Tempelritter in der Blutgasse

Ihren schaurigen Namen verdankt die Passage einer der hartnäckigsten Legenden der Stadt. Im Jahr 1312 soll hier das Schicksal der Wiener Tempelritter besiegelt worden sein. Als der französische König Philipp IV. und Papst Clemens V. den mächtigen Orden auflösten – getrieben von Habgier, Neid auf den legendären Templerschatz und erfundenen Ketzerei-Vorwürfen –, wurden die Ritter auch in Wien gnadenlos gejagt.
Die Wahl des Ortes war kein Zufall: Im Gebäudekomplex des Fähnrichshofs (Blutgasse 7–9) befand sich laut Überlieferung das Wiener Hauptquartier und das Zufluchtsversteck der Tempelritter. Als man ihr Versteck stürmte, kam es zum blutigen Massaker. Die Festgenommenen wurden direkt im Hof hingerichtet, woraufhin ihr Blut so gewaltsam aus den Toren floss, dass sich das Kopfsteinpflaster rot färbte und der Gasse ihren Namen gab. Auch wenn Historiker die Geschichte heute als Fabel einstufen, spürt ihr das Schauergefühl beim Schländern noch immer.
Diese schaurige Geschichte wurde von Historikern mittlerweile widerlegt. Die österreichischen Templer wurden im Gegensatz zu jenen in Frankreich nicht hingerichtet oder grausam verfolgt. Als der Papst den Orden 1312 auflöste, wurde die Wiener Niederlassung friedlich aufgelöst, und die Besitztümer gingen größtenteils an die Johanniter über.
Ruheoase im Herz der Altstadt: Die 250 Jahre alte Platane

Nach so viel Nervenkitzel erwartet euch im Inneren des Fähnrichshofs eine idyllische Überraschung. Das Zentrum des verträumten Pawlatschenhofs bildet eine majestätische, etwa 250 Jahre alte Platane, deren dichtes Blätterdach die historischen Holzgalerien überspannt. Öffentlich reist ihr ganz einfach mit den Linien U1 oder U3 (Station Stephansplatz) an. Wer zwingend mit dem Auto kommt, nutzt am besten die nahegelegene Parkgarage Cobdengasse, da die Innenstadt verkehrsberuhigt ist.
- Ort: Blutgasse, 1010 Wien
- Datum und Uhrzeit: Ganzjährig und rund um die Uhr frei zugänglich
- Dauer: Ca. 30 bis 45 Minuten für einen entspannten Rundgang