1925 verlor sich jede Spur von Gustav Klimts letztem Frauenporträt, sodass der Kunstwelt fast ein Jahrhundert lang lediglich ein unscharfes Schwarz-Weiß-Foto im Archiv blieb. Doch am 24. April 2024 passierte im Wiener Palais Kinsky an der Freyung das schier Unglaubliche: Das unvollendete Spätwerk wurde vor den Augen internationaler Sammler in knapp zwei Minuten Bietzeit für ein Gesamtergebnis von 38,5 Millionen Euro versteigert. Aber wie war das möglich?
Als Gustav Klimt im Februar 1918 an den Folgen eines Schlaganfalls verstarb, stand das 140 mal 80 Zentimeter große Ölgemälde noch unvollendet auf seiner Staffelei. Die wohlhabende jüdische Industriellenfamilie Lieser hatte das Werk für eine ihrer Töchter in Auftrag gegeben, bevor es nach einer Wiener Kunstschau im Jahr 1925 spurlos aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit verschwand. Während der Zeit des Nationalsozialismus drohte dem Gemälde dasselbe Schicksal wie vielen anderen jüdischen Besitztümern, doch überstand es die Jahrzehnte unbeschadet in einem privaten Wiener Salon.
Die Rückkehr an die Freyung

Statt eines blassen Archivbildes leuchten die kräftigen Farbtöne der floralen Pelerine in intensivem Rot und Türkis, wobei der unvollendete untere Bildrand den direkten Blick auf Klimts originale Zeichenstriche freigibt. Daher war die Aufregung im barocken Auktionssaal greifbar, als der Hammer schließlich bei einem reinen Gebot von 30 Millionen Euro fiel.
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Mit dem Endpreis von 38,5 Millionen Euro inklusive aller Gebühren stellte das Bildnis des Fräulein Lieser das teuerste jemals in Österreich versteigerte Kunstwerk dar. Vor der Auktion einigten sich die bisherigen Besitzer und die Rechtsnachfolger der Familie Lieser auf eine gemeinsame Vereinbarung nach den internationalen Washingtoner Prinzipien. Inzwischen befindet sich das Meisterwerk in den Händen einer privaten Sammlung aus Hongkong, bleibt jedoch als bemerkenswerter Meilenstein der Wiener Moderne in den Geschichtsbüchern verankert.