Immer, wenn wir glauben, Wien schon gut zu kennen, werden wir vom Gegenteil überrascht. Unsere Hauptstadt steckt voller versteckter Geschichten. Dazu gehört nicht nur eine faszinierende Gruft direkt unter dem Stephansdom. Es gibt auch eine Menge „Lost Places“ in der Stadt. Einer der spannendsten verbirgt sich tief unter der Stadt: der Geisterbahnhof Lerchenfelder Straße. Zwar fährt die U2 täglich tausende Passagiere vorbei, doch seit 2003 ist hier niemand mehr ein- oder ausgestiegen. Dennoch übt die verlassene Station bis heute einen besonderen Reiz auf Urban Explorer und Geschichtsinteressierte aus.
Von der Straßenbahnstation zur „Lost Place“-Legende

Die Station wurde schon 1966 eröffnet, aber zunächst als Tram-Haltestelle. Wenige Jahre später wurde das Wiener U-Bahn-Netz umgebaut und damit auch die Lerchenfelder Straße 1980 zur Station der Linie U2. Ein Sinnbild für Wiens Modernisierung und das Wachstum der Stadt in der Nachkriegszeit.
Doch der Siegeszug der Wiener Öffis und laufende Rationalisierungen brachten Veränderungen: Die Station, die zwischen den U2-Haltestellen Volkstheater und Rathaus lag, wurde als „zu nah“ zu anderen Stationen und zu wenig genutzt bewertet. Lange diskutierten die Verantwortlichen, bis dann 2003 die endgültige Entscheidung fiel: Die Station Lerchenfelder Straße wird stillgelegt. Seitdem ist sie für Passagiere gesperrt.
Was bleibt vom Geisterbahnhof?

Ihr könnt den Geisterbahnhof heute noch sehen! Wer mit der U2 zwischen Volkstheater und Rathaus unterwegs ist, kann beim genauen Hinsehen im Dunkeln der Tunnel noch den alten Bahnsteig, Geisterlichter und verblasste Schilder erahnen. Näher heran kommt man heute aber nicht mehr. Der Zugang ist mittlerweile verschlossen und der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich, dennoch ist die Station als „Lost Place“ legendär.
Daran soll sich auch vorerst nichts ändern. Der Gesiterbahnhof Lerchenfelder Straße dient nun überwiegend technischen Zwecken wie zum Beispiel als Standort für Betriebs- und Sicherheitseinrichtungen der Wiener Linien. Auch in den laufenden Planungen und großen Ausbauprojekten für U2 und U5 spielt eine Wiedereröffnung der Station keine Rolle. Stattdessen steht die Umgestaltung der oberirdischen Lerchenfelder Straße zu einem klima-fitten Bereich für alle Einwohner im Fokus.
Orte wie der Geisterbahnhof Lerchenfelder Straße erzählen vom Wandel der Metropole, dem ständigen Kommen und Gehen und davon, wie Orte, die einst Alltag waren, zum urbanen Mythos werden. Gerade die U-Bahn ist dafür berüchtigt – heute finden sogar Raves an den Stationen statt. Nicht zuletzt spiegelt die Lerchenfelder Straße so auch das flexible Stadtbild Wiens wider: Wo ein Ort verschwindet, entsteht an anderer Stelle Neues.