Wien steckt voller Prachtbauten und verborgener Geschichten. Zu Geheimnissen wie der unteririschen Gruft am Stephansdom oder des Geisterbahnhofs der U2 reiht sich ein weiterer Schatz: Die Otto Wagner Villa thront wie ein Märchenschloss zwischen Stadtrand und Wienerwald, fernab der klassischen Touristenpfade. Mitten im Grüngürtel der Stadt hat der legendäre Architekt Otto Wagner seinen persönliches Sommerpalais gebaut. Bis heute scheint das Gebäude wie aus der Zeit gefallen und hat gleichzeitig sogar mehrere Kapitel Wiener Geschichte erlebt.
Jenseits des Mainstreams: Die Architektur der Otto Wagner Villa
Wagner wusste, wie man Eindruck schindet. Das war ihm auch bei seiner Villa wichtig, auch wenn sie gar nicht unbedingt für andere gemacht wurde. Im Jahr 1888 baute er seinen prunkvollen Sommerpalais für sich und seine Familie. Unauffällig wollte er es aber dennoch nicht: Hoch auf einer Böschung gelegen, grüßt die Villa mit ihren imposanten Säulen, flankiert von filigranen Glaskunst-Seitenflügeln, als Hommage an die Architekturikone Palladio. Diese besondere Architektur zeige ein ganz anderes Gesicht als die wienerische Gründerzeit.
Schon vor der Fertigstellung seiner Villa zogen Wagners Pläne internationale Aufmerksamkeit auf sich. Aber als dann 1900 der linke Seiteflügel umgebaut wurde, schaffte es Otta Wagner mit seiner Villa vollends in die Geschichtsbücher. Bis heute ist dieser Bereich der schönste erhaltene Jugendstil-Saal ganz Wiens.
Bis ins Detail kann man die feinen architektonischen Highlights bewundern, die teilweise von berühmten Künstlerfreunden angefertigt wurden. Die berühmtem Tiffany-Glasfenster gestaltete Adolf Böhm: Daher wird der Raum auch „Adolf-Böhm-Saal“ genannt. Und auch Gustav Klimt, Alma Mahler, Josef Hoffmann, Gustav Mahler und Adolf Loos stiegen die Freitreppe der Otto Wagner Villa empor.
Ungewöhnliche Geschichte: Dunkle Zeiten und künstlerische Reize

Nach Wagner kamen Theatermacher, nach ihnen dunkle Zeiten: Die Nationalsozialisten enteigneten die Villa und nutzten sie als NS-Büro, genauer als Zentrale der Hitlerjugend. Diesen Schatten strahlt das Haus bis heute spürbar aus. In den Nachkriegsjahren stand das Anwesen sogar kurz vor dem Abriss.
Die Rettung kam dann 1972, als der berühmte Realist Ernst Fuchs das Haus kaufte, restaurierte und in ein Kunstrefugium verwandelte. Heute ist es das Ernst Fuchs Privatmuseum, das besichtigt werden kann. Noch immer faszinieren die prunkvollen Jugendstilräume ebenso wie der fantasievolle Park mit dem Moses-Brunnen.
Was bleibt: Ein magischer Ort in Wien
Die Otto Wagner Villa, Hüttelbergstraße 26, gleicht einer Reise durch Wiens schöpferischste Jahrzehnte. Noch immer umweht das Haus eine Aura eleganter Feste und kreativen Aufbruchs, sichtbar in jedem geschnitzten Detail, jedem bunt glühenden Fenster und den Erzählungen, die an den Wänden haften.
Was viele nicht wissen: Der älteste Baumstumpf Wiens (die „1000-jährige Eiche“) ruht direkt vor der Tür der Otta Wagner Villa – ein stiller Zeuge bewegender Zeiten. Wer also Kunst, Architektur und verborgene Geschichten liebt, sollte dieses versteckte Juwel unbedingt besuchen. Und für mehr: Ihr könnt die Villa für die besondersten Anlässe sogar auch mieten!