Mitten im Herzen der Wiener Innenstadt verbirgt sich unter der Kirche St. Michael eine der faszinierendsten Begräbnisstätten Europas. Die Michaelergruft beherbergt Tausende Verstorbene, deren Körper durch ein ungewöhnliches Raumklima über Jahrhunderte hinweg auf natürliche Weise mummifiziert wurden. Ein geführter Rundgang in der Gruft eröffnet packende Einblicke in die Wiener Totenkultur des 17. und 18. Jahrhunderts.
Mumifiziert unter unseren Füßen

Unter dem geschäftigen Pflaster des Michaelerplatzes liegt eine historische Unterwelt. In der Michaelergruft ruhen Tausende Verstorbene, deren Körper durch ein konstantes Mikroklima überraschend gut erhalten blieben.
Wer über den belebten Michaelerplatz spaziert, ahnt meist nicht, was sich direkt unter den eigenen Schritten erstreckt. Unter den Fliesen der Pfarre St. Michael befindet sich nämlich eine der bedeutendsten Begräbnisstätten der Stadt, in der etwa 3.000 bis 4.000 Menschen ihre letzte Ruhe fanden.
Das weitverzweigte System aus Backsteingewölben entstand vor allem zwischen 1560 und 1784. Damals nutzten sowohl der Adel als auch wohlhabende Wiener Bürger die unterirdischen Kammern als letzte Ruhestätte, bevor Kaiser Joseph II. Bestattungen innerhalb der Stadtmauern untersagte. Durch die stetige Luftzirkulation und eine konstant kühle Temperatur herrscht dort ein spezielles Mikroklima, sodass viele Körper überraschenderweise vollkommen natürlich mummifiziert wurden.
Einzigartige Barockmode und historische Schätze in der Gruft
Wer die Stufen hinabsteigt, steht vor aufwändig bemaltem Holz sowie schweren Eichensärgen, die zum Teil offen liegen. Man sieht feine Barockkleidung, Lederschuhe und sogar noch gut erhaltene Blumenkränze. Da die Verstorbenen damals in ihrer besten Kleidung beigesetzt wurden, bieten die Grüfte heute einen ungestellten Einblick in die Mode früherer Zeiten.
Unter den tausenden Toten befinden sich heutzutage auch einige prominente Persönlichkeiten der Wiener Stadtgeschichte. So fand hier etwa der berühmte italienische Dichter Pietro Metastasio seine letzte Ruhe, der als Hofdichter am Wiener Hof wirkte. Ebenfalls in den Grüften beigesetzt ist der kaiserliche Feldmarschall Barnabás von Géczy sowie hochrangige Hofbeamte und Adlige der Habsburgermonarchie, deren prunkvolle Särge die herrschaftliche Bestattungskultur jener Epoche eindrucksvoll widerspiegeln.
Aufwendige Restauration und geführte Einblicke

Die Betreuung und Sanierung der Anlage erfordert allerdings dauerhaft extrem viel Aufwand. Einzelne Kammern mussten wegen Schimmelbefall saniert werden, damit die historische Bausubstanz aus dem 16. Jahrhundert für die Nachwelt erhalten bleibt. Ein Besuch ist deswegen ausschließlich im Rahmen einer Führung möglich, um das empfindliche Klima der Unterwelt zu schützen.
📍 Ort: Michaelergruft (Pfarre St. Michael)
🏠 Adresse: Michaelerplatz 5, 1010 Wien
🎟️ Eintritt: 10,00€ pro Erwachsenem / 5,00€ pro Kind (im Rahmen einer Führung)
⏰ Führungszeiten: jeden Freitag um 12 Uhr und 14 Uhr & jeden Samstag um 10 Uhr und 12 Uhr