Die Wotrubakirche, offiziell die Kirche zur Heiligsten Dreifaltigkeit genannt, thront markant auf dem Georgenberg im Wiener Stadtteil Mauer und stellt eines der radikalsten Beispiele sakraler Baukunst in Europa dar. Das Besondere an diesem Bauwerk ist seine vollkommene Abkehr von traditionellen kirchlichen Formen. Anstelle von Spitzbögen, Kirchtürmen oder barocker Pracht begegnet dem Betrachter eine monumentale, bewohnbare Skulptur, die eher an ein abstraktes Gebirge aus Stein erinnert.
Ein Gebirge aus Beton: Die Architektur der Stille

Die Kirche besteht aus insgesamt 152 unregelmäßig übereinander geschichteten Betonblöcken, die ein Gesamtgewicht von rund 4.000 Tonnen auf die Waage bringen. Diese Blöcke, die zwischen 2 und 141 Tonnen wiegen, sind scheinbar chaotisch, doch in präziser Balance gestapelt.
Zwischen den massiven Betonquadern schließen einfache Glasfronten die Lücken, was im Inneren ein faszinierendes Lichtspiel erzeugt. Dort bricht sich das Tageslicht an den rauen Kanten des Betons und verleiht dem Raum der Wotrubakirche eine unerwartete Leichtigkeit und spirituelle Tiefe. Die Kirche gilt als Musterbeispiel des Brutalismus, doch Fritz Wotruba sah darin vor allem eine Rückkehr zur Einfachheit, um zu zeigen, dass auch karge Materialien eine sakrale Würde ausstrahlen können.
Die bewegte Entstehungsgeschichte der Wotrubakirche

Die Entstehung der Kirche ist eng mit zwei außergewöhnlichen Persönlichkeiten verbunden. Dies sind der Bildhauer Fritz Wotruba und die Managerin Margarethe Ottillinger.
Ottillinger war nach dem Krieg jahrelang in sowjetischen Lagern inhaftiert. Nach ihrer Rückkehr legte sie ein besonderes Gelübde ab. Sie wollte eine Kirche an einem Ort des Friedens errichten. Dafür beauftragte sie den international angesehenen Künstler Fritz Wotruba mit dem Entwurf. Die Planung begann bereits in den 1960er Jahren. Der Bau stieß jedoch zunächst auf massiven Widerstand. Viele Menschen und Behörden empfanden das Design als zu schockierend.
Erst 1974 erfolgte die Grundsteinlegung auf dem Areal einer ehemaligen Kaserne. Fritz Wotruba verstarb leider im Jahr 1975. Er erlebte die feierliche Einweihung seiner „Betonburg“ im Oktober 1976 nicht mehr. Heute gilt die Kirche als weltweit beachtetes Monument der Moderne. Sie löst die Grenze zwischen Architektur und Bildhauerei kühn auf.