Mitteleuropas größte Kolonie an baumbrütenden Weißstörchen nistet nicht etwa in einem weit entfernten Nationalpark. Es ist nur eine kurze Fahrt von Wien entfernt. Wenn ihr nach einem Ort sucht, an dem die Natur völlig ungestört wuchern darf, seid ihr in diesem riesigen Überschwemmungsgebiet genau richtig. Nach nur wenigen Schritten über einen schmalen Damm lasst ihr die bebaute Zivilisation komplett hinter euch. Das Naturreservat „Untere Marchauen“ direkt beim Schloss Marchegg bietet auf über 1.100 Hektar einen geschützten Lebensraum für 500 gefährdete Tier- und Pflanzenarten.
Noch in den 1960er Jahren drohte dieses Areal durch Industrieabwässer massiv zu verkommen. 1970 wurde es vom WWF und lokalen Akteuren gerettet. Heute wachsen hier alte Eichen und Eschen, auf denen im Frühjahr und Sommer bis zu 50 besetzte Storchenhorste thronen.
Auf Augenhöhe mit Meister Adebar und wilden Pferden

Um das Treiben der großen Vögel aus nächster Nähe zu studieren, steuert ihr am besten die mehrere Meter hohe, hölzerne Storchenplattform an. Von dieser erhöhten Konstruktion aus habt ihr einen hervorragenden Blick direkt in die Nester und auf die Fütterung der Jungtiere.
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Neben den Störchen gibt es seit 2015 noch eine weitere, tierische Besonderheit: Eine Herde frei lebender Konik-Pferde durchstreift das Reservat. Diese robusten Tiere sorgen durch ihr natürliches Fressverhalten dafür, dass die Feuchtwiesen nicht zuwuchern und neue Lebensräume für seltene Heuschrecken entstehen. Oft grasen sie direkt entlang der ausgewiesenen Rundwanderwege und lassen sich in aller Ruhe beobachten.
Von Biber-Hütten und Naturvermittlung

Wer tiefer in das Feuchtgebiet vordringt, sollte unbedingt an der Biber-Hütte oder der Maritz-Hütte rasten. Mit einem Fernglas und etwas Geduld entdeckt ihr an diesen Beobachtungsplattformen am Augewässer Biber, Eisvögel oder kreisende Seeadler. Da die Natur hier absoluten Vorrang hat, gilt ein strenges Regelwerk: Hunde müssen an die kurze Leine, Fahrräder bleiben am Eingang stehen und die markierten Wege dürfen nicht verlassen werden.
Als zentrale Anlaufstelle dient euch das Storchenhaus im Erdgeschoss von Schloss Marchegg. Hier bekommt ihr nicht nur Wanderkarten und regionale Produkte aus dem Marchfeld, sondern könnt auch geführte Touren mit ausgebildeten Naturvermittlern buchen. Der Besuch des frei zugänglichen Reservats lässt sich im Anschluss wunderbar mit einer entspannten Jause am Wasser abschließen.
📍Naturreservat Untere Marchauen (beim Schloss Marchegg)
🗺️ Im Schloss 1, 2293 Marchegg
💸 Eintritt: Reservat Frei zugänglich
⏰ Öffnungszeiten: Das Reservat ist ganzjährig und jederzeit frei zugänglich