Wer nach Wien reist, kann sich über fehlende Kultur kaum beschweren. Mitten in der Stadt findet ihr weltberühmte Sehenswürdigkeiten wie den Prater, und auch versteckt unter einer berühmten Kirche liegen verborene Gruften. Und was eher wenige neben all dem Prunk wissen: Das Palais Daun-Kinsky ist eines der bedeutendsten barocken Palais Wiens. Es ist für seine reiche Architektur, berühmten Bewohner:innen und kulturelle Nutzung besonders bekannt und befindet sich direkt an der Freyung 4 im 1. Bezirk.
Wo Geschichte auf Hochkultur trifft

Das Palais Daun-Kinsky ist über 300 Jahre alt. Zwischen 1713 und 1719 errichtete der berühmte Barockarchitekt Johann Lucas von Hildebrandt die Stadtresidenz im Auftrag von Wirich Philipp Graf Daun, einem der gefeiertsten Feldherren der Monarchie. Von Anfang von war das Palais eine Heimat für berühmte und angesehene Besitzer:innen. Von Graf Daun wechselte es über die Adelsfamilien Khevenhüller und Harrach schließlich an die Kinskys. Ihr Name und Wappen prangt heute noch über dem Eingangsportal.
Auch für seine besonderen Gäste ist es bekannt, wie so viele andere Palais in Wien. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Palais zeitweilig Sitz eines britischen Offiziersklubs, wodurch viele große Namen – zumindest in diesen Kreisen – in das Palais Daun-Kinsky kamen. Ganz besonders: 1763 wurde hier Fürst Józef Antoni Poniatowski geboren, der spätere Nationalheld Polens und Marschall von Frankreich.
Besondere Architektur und Ausstattung

Doch das Palais kann mehr als große Namen bieten: Die Architektur dieses besonderes Gebäudes ist sehenswert. Die Fassade ist schmal, aber spektakulär mit Hermenpilastern, dekorativem Portal und Skulpturen von Joseph Kracker inszeniert. Sie gilt als Meisterwerk der barocken Wandgliederung.
Besonders eindrucksvoll sind auch die Deckenfresken und die Quadraturmalerei im Inneren des Palais. Solche Symbole des Barocks sind in Wien kaum anderswo zu finden! Der Speisesaal besitzt darüber hinaus historische Vertäfelungen aus dem Chorgestühl des Doms in Pressburg.
Wie ein Familienpalast zum Mausoleum wurde
Seit 2015 ist das Palais Daun-Kinsky im Besitz einer Stiftung von Karl Wlaschek, dem Billa-Gründer, der darin tatsächlich ein Mausoleum für sich und seine Familie errichten ließ. Das wurde erst durch eine Gesetzesregelung möglich: Wer ein Privatgrundstück mit einer Mindestgröße von 2000 m² besitzt, kann – mit behördlicher Genehmigung – auf diesem Grund eine Familiengrabstätte oder ein Mausoleum errichten lassen.
Heute befindet sich das bekannte „im Kinsky“ Auktionshaus in der Beletage des Palastes, das regelmäßig kulturelle Veranstaltungen und hochkarätige Kunstauktionen ausrichtet. Das Palais ist ein beliebter Standort für repräsentative Events, aber nur von außen öffentlich zugänglich. Die prunkvollen Säle und einzigartige Barock-Geschichte solltet ihr euch nicht entgehen lassen!