Wien hat viele spannende Bauwerke mit interessanten Geschichten, wie die Gruft unter der Kirche St. Michael oder die Virgilkapelle unter dem Stephansplatz. Aber kennt ihr schon das geheimnisvollste Bauwerk im Schönbrunner Schlosspark? Die Römische Ruine – ursprünglich als Ruine von Karthago bekannt – steht seit 1778 im östlichen Teil der Parkanlage nahe dem Brunnen am Haspelsteig.
Entworfen vom Hofarchitekten Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg im Auftrag von Kaiserin Maria Theresia, ist das Ensemble keineswegs antiken Ursprungs. Es handelt sich um ein künstlich geschaffenes Spektakel der Spätbarockzeit, das als romantisches Staffagebauwerk die Vergänglichkeit mächtiger Reiche symbolisieren sollte.
Ein Hauch von Antike: Wer hatte die Idee?

Die Idee stammte direkt aus dem Zeitgeist des 18. Jahrhunderts, als Adlige eine große Faszination für Ausgrabungen wie Pompeji entwickelten. Architekt Hetzendorf von Hohenberg plante das Monument als imposante Kulisse, die sich perfekt in die barocke Gartenlandschaft einfügt. Mit ihren mächtigen Säulen und Bögen wirkt sie auf den ersten Blick wie ein echtes Relikt aus der Römerzeit.
Mythos und Symbolik: Die Legende des versunkenen Reiches
Hinter dem Bau steckt eine bewusste Inszenierung: Die Ruine sollte den Untergang Karthagos darstellen und damit an die Vergänglichkeit aller Großreiche erinnern. Eine beliebte Wiener Legende besagt zudem, dass die Steine bei Vollmond leuchten, um an die einstigen Helden der Antike zu erinnern. In Wahrheit wurden für den Bau schlichte Quadersteine aus der Region kunstvoll auf alt getrimmt.
Ein Meisterwerk der Täuschung im Grünen

Heute zieht das Bauwerk vor allem Spaziergänger und Fotobegeisterte an. Der bewachsene Torbogen, die im Wasserbecken spiegelnden Säulen und die Statuen von Flussgöttern schaffen eine einmalige Atmosphäre. Es ist eines der am besten erhaltenen Beispiele für künstliche Ruinenarchitektur in Europa und zeigt, wie geschickt die Habsburger mit optischen Täuschungen arbeiteten.
Anreise mit den Öffis: Ihr erreicht die Ruine am besten mit der U-Bahn-Linie U4 (Station Schönbrunn) und einem kurzen Spaziergang durch den Park.
Anreise mit dem Auto: Parken könnt ihr kostenpflichtig am Parkplatz Schönbrunn in der Schönbrunner Schlossstraße.
- Ort: Schlosspark Schönbrunn, 1130 Wien
- Datum und Uhrzeit: Ganzjährig täglich ab 6:30 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit geöffnet
- Dauer: Ca. 30 bis 45 Minuten für Besichtigung und Fotos
- Kosten: Der Zugang zum Schlosspark und der Ruine ist kostenlos
- Website: www.schoenbrunn.at